Forschungskolloquium

Paarkolloquium Titelbild Paarkolloquium Titelbild Foto: AB Scholz
Datum Vortragstitel Referierende
26.10.2022

Mechanische Notgemeinschaften: Verteilungskonflikte und Eigentumsarrangements in prekären Haushalten

Erläuterung: Wie wird Eigentum in Haushalten verhandelt, die durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse, geringe finanzielle Mittel und brüchige familiäre Beziehungen geprägt sind? Welche Machtstrukturen treten dabei zu tage?

Diesen Fragen wollen wir uns im Vortrag anhand einer qualitativen Studie widmen, in der wir die Lebensführung und soziale Lage von prekären Haushalten mithilfe von biografisch-narrativen Gemeinschaftsinterviews (Paar- und Familiengespräche) untersucht haben. Ein wichtiger Befund der Studie ist, dass auch in auf den ersten Blick modernen Sozialbeziehungen (neue Familienformen, Paarbeziehungen etc.) noch sehr viele Momente der von Durkheim beschriebenen mechanischen Solidarität und damit auch hierarchischen Beziehungen in Familien und Paaren stecken. Wir finden in diesen prekären Haushalten konflikthafte Eigentumsarrangements und diesbezügliche Verteilungskonflikte, die stark von den Lebensführungsmustern, Wirtschaftsweisen sowie der Gestaltung der sozialen Beziehungen in den unterschiedlichen Haushalten abhängen. Im Vortrag werden wir diese inneren Handlungsstrategien bzw. alltäglichen Praktiken aufzeigen und darstellen, welche Haltungen diesen zugrunde liegen.

Ina Kaufhold & Natalie Grimm (Göttingen)
09.11.2022

Paardynamiken, Konflikte und Macht: Methodische Herausforderungen – theoretische Fragen

Erläuterung:  Konflikte sind Bestandteil des Alltagslebens vieler Paare – in der soziologischen Paarforschung sind sie jedoch wenig theoretisiert. Dabei sind sie nicht zuletzt deshalb von großem Interesse, weil sie auf Machtdynamiken sowie auf Aushandlungen von Wertorientierungen, Arbeitsteilung oder etwa auch Geschlechterkonstruktionen verweisen. Konflikte stabilisieren, destabilisieren oder transformieren (Paar-)Beziehungen. Doch gerade weil sie mitunter latent bleiben, steht ihre Erforschung vor Herausforderung. Anhand von empirischem Material wirft der Vortrag einige Schlaglichter auf die genannten Zusammenhänge und diskutiert damit verbundene empirische wie theoretische Fragen. 

Sarah Speck (Frankfurt)
23.11.2022

Die Auswirkungen von Trennung und Scheidung auf das Vermögen von Frauen und Männern in Deutschland:
Forschungsergebnisse quantitativer Längsschnittanalysen

Erläuterung: Die Bedeutung von Privatvermögen hat drastisch zugenommen, da selbst Länder mit großzügigen Wohlfahrtssystemen wie Deutschland zunehmend die wirtschaftliche Eigenverantwortung im Lebensverlauf betonen. Nichtsdestotrotz unterscheiden sich Menschen stark in ihrem Vermögensaufbau und ein beachtlicher und wachsender Teil der Bevölkerung kann nur unzureichend Privatvermögen aufbauen. Es ist deshalb notwendig zu verstehen, welche Faktoren den Aufbau von Privatvermögen nachhaltig stören. Obwohl Familiendynamiken in der Ungleichheitsforschung viel Beachtung erhalten haben, sind die Auswirkungen von Trennung und Scheidung auf das Vermögen von Frauen und Männern kaum erforscht. In mehreren Studien untersuche ich (a) wie sich die Auflösung einer Ehe auf das Vermögensniveau und die Vermögensbildung auswirkt, einschließlich der unmittelbaren und langfristigen Folgen, und (b) wie und in welchem Ausmaß diese Zusammenhänge geschlechtsspezifisch sind. Um bisherige Forschungslücken zu schließen, baut meine Arbeit auf das Lebensverlaufsmodell und deutsche Längsschnittdaten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP).

Nicole Kapelle (Berlin)
07.12.2022

Einigkeit in Geldfragen? Quantitative Forschungsergebnisse zu Eigentumsungleichheiten und der Geldverwaltung von Paaren in Ost- und Westdeutschland

Erläuterung: Die Vermögens- und Einkommenskonstellationen in Partnerschaften wirken sich deutlich darauf aus, wie Paare mit Geld umgehen. Durch Vergemeinschaftung lassen sich finanzielle Risiken abfedern. In anderen Konstellationen rückt die individuelle finanzielle Autonomie beider Partner/innen in den Vordergrund. In diesem Beitrag gehen wir der Frage nach, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Paaren in Ost- und Westdeutschland nach über 30 Jahren deutscher Einheit vorliegen.

Agnieszka Althaber & Kathrin Leuze (Jena)
11.01.2023

Paare im Spiegel der Gastfreundlichkeit.
Fürsorgeverhältnisse im Homesharing

Erläuterung: Über Plattformen wie Couchsurfing oder Airbnb wird es in den vergangenen Jahren immer populärer entgeltlich oder unentgeltlich seine eigenen vier Wände mit Fremden zu teilen. Die Sharing Economy Forschung sieht hier besonders wirtschaftliche und sozialpolitische Chancen und Probleme der neuen Gastfreundlichkeit. Schaut man jedoch etwas genauer auf diese neuen Praktiken, sieht man vor allem viel Arbeit und neue Sozialbeziehungen, die sich auftun. Die Türen zu den privaten Räumen zu öffnen geht einher mit einem Mehraufwand an Wäsche waschen, putzen, Terminkoordinationen, aber auch Kümmern oder gar Sorge um die Gäste. Die Host-Gast-Beziehung, die mich hier interessiert, ist allerdings nur eine scheinbare Dyade. Aus unseren Interviews geht hervor, dass die Familie, Paarbeziehung oder auch Trennung des Paares oftmals im Hintergrund der Gastfreundschaft steht. Anhand einer Materialdiskussion möchte ich dieses Beziehungsgeflecht im Homesharing näher beleuchten.

Henrike Katzer (Jena)
25.01.2023

„Meine Frau hat nach wie vor Verarmungswahn.“ – Eigentum, Klasse und Geschlecht in ost- und westdeutschen Paarhaushalten

Erläuterung: Über den innerpartnerschaftlichen Umgang mit Eigentum ist bislang in der soziologischen Paarforschung wenig bekannt, geben bisherige Studien schließlich – meist unter Fokussierung auf westdeutsche Lebensformen – Auskunft über die geschlechterungleiche Verteilung von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Fürsorgearbeit oder den Umgang mit einem nach wie vor bestehenden gender wage gap.

Das Teilprojekt B06 „Eigentumsungleichheit im Privaten. Zur institutionellen und kulturellen (Re-)Strukturierung von Eigentumsarrangements in Paarhaushalten“ im SFB 294: Strukturwandel des Eigentums schließt diese Forschungslücke, indem durch einen systematischen Vergleich von Paarhaushalten in Ost- und Westdeutschland und anhand verschiedener Kohorten die Praktiken und Deutungsmuster in Partnerschaften fokussiert werden, die die Verfügung über Eigentum ermöglichen oder beschränken.

Im Vortrag stellen wir erste Befunde aus dem Projekt vor. Das empirische Material basiert auf leitfadengestützten Paarinterviews, die mit einer Kombination aus Dokumentarischer Methode und Tiefenhermeneutik ausgewertet wurden. Reflektiert wird, inwiefern nicht nur Ost-/Westunterschiede bei der innerpartnerschaftlichen Verhandlung und Arrangierung von Eigentum relevant werden, sondern auch das affektiv-aufgeladene Verhältnis von Geschlecht und Klasse(nherkunft) eine zentrale Rolle spielt.

Robin K. Saalfeld & Aaron Korn (Jena)
08.02.2023 Herausforderungen in einem Mixed Methods-Design. Im Gespräch über Paarforschung und die qualitative und quantitative Liaison. Kathrin Leuze & Sylka Scholz (Jena)
Paarkolloquium unten Paarkolloquium unten Foto: AB Scholz

Hier finden Sie das Programm als PDF [jpg, 137 kb]

[Forschungsbegleitung/Kolloquium]

   ⇒ MASOZ 60a, 60b; IPS 900 | Freitag 13:00 - 17:00 Uhr, am 6. Mai, 17. Juni und 8. Juli; Einführungsveranstaltung am 13. April, 16:00 - 18:00 Uhr

Im Kolloquium besteht die Möglichkeit, den aktuellen Bearbeitungsstand der Masterarbeit vorzustellen. Dabei können sowohl erste Ideen der Themenfindung und Exposés bis hin zu einzelnen Kapiteln der Masterarbeit diskutiert werden.