Forschungskolloquium

Titelbild Forschungskolloquium Titelbild Forschungskolloquium Foto: AB Qualitative Methoden und Mikrosoziologie

IN BEZIEHUNG SETZEN -
Theoretische, methodische und empirische Beiträge in der Geschlechterforschung

Forschungskolloquium des Arbeitsbereiches Qualitative Methoden und Mikrosoziologie

Wintersemester 2021/2022
Dienstag 18-20 Uhr Ι Carl-Zeiß-Str. 3 Ι Hörsaal 4

Hybrid-Kolloquium: Die Veranstaltung wird regulär in Präsenz (ohne Anmeldung) stattfinden und parallel online (mit Anmeldung). Digitale Teilnahme bitte bei Eva Tolasch (eva.tolasch@uni-jena.de) oder Kristin Gürtler (kristin.guertler@uni-jena.de) anmelden.


26.10.2021

Die Spiele der Wahrheit (anders spielen) – Zu Grenzen und Möglichkeiten feministischer Gesellschaftstheorie
Hanna Meißner (Berlin) - Online Vortrag

Der Vortrag geht von aktuellen Dynamiken in (sozial)wissenschaftlichen Debatten aus. Zum einen ist seit einigen Jahren von einer Reaktualisierung von Gesellschaftsanalysen die Rede, die Kapitalismusanalyse als wichtiges Moment betrachten und Gesellschaftstheorie explizit mit dem Anliegen der Gesellschaftskritik verbinden. Zum anderen werden aus neomaterialistischer Perspektiven die Möglichkeit von Gesellschaftstheorie und -kritik grundsätzlich problematisiert. Vor diesem Hintergrund geht es mir darum, das Spannungsverhältnis zwischen der Annahme einer (zeitgebundenen, d. h. situierten) Notwendigkeit von Gesellschaftstheorie und -kritik einerseits und dem Verweis auf deren notwendige (durch diese Situiertheit bedingte) Begrenztheit andererseits auszuloten. Eine wichtige Frage ist, wie sozialwissenschaftliche Wissensproduktion Vielfältigkeit und (unverfügbarer) Heterogenität begegnen kann, ohne diese sogleich in ihren theoretischen Begriffen einzuschließen. 

09.11.2021
Übergänge in Pflegeberufe – Empirische Rekonstruktionen im Spannungsfeld von Männlichkeit und Care
Kevin Stützel (Frankfurt am Main)

Das Berufsfeld Pflege ist von einem hohen Mangel an Fachkräften bestimmt. Neben der Charakterisierung als Mangelberuf kann die Pflege als geschlechtersegregiert bezeichnet werden. Mehr als drei Viertel der Fachkräfte sind weiblich, wobei männliche Auszubildende verstärkt adressiert werden in der Pflege zu arbeiten. Ausgehend von einer rekonstruktiven Interviewstudie werden im Vortrag unterschiedliche Zugänge männlicher Auszubildender zur Alten- und Krankenpflege aufgezeigt. Rekonstruiert wird außerdem, wie Pflege als geschlechtsuntypischer Beruf von den Befragten verhandelt wird. Anliegen des Vortrags ist es, ausgehend von den empirischen Befunden, die Verschränkung von Persistenz und Wandel von Männlichkeit zu diskutieren und die Care-Debatte systematischer auf Männlichkeit zu beziehen.

23.11.2021
Migration in die DDR Theoretische und empirische Annäherungen aus intersektionaler Perspektive
Urmila Goel (Berlin)

Ausgehend von der Zeitdiagnose einer umfassenden Krise der sozialen Reproduktion wird in den letzten Jahren vermehrt der Zusammenhang von Männlichkeit und Care in den Fokus der kritischen Männlichkeitsforschung gerückt. Die Betrachtung von Jungen beziehungsweise männlichen Jugendlichen stellt hier eine konkrete Leerstelle dar. Innerhalb der Forschung wird Jungen durch die Orientierung an einem Idealbild hegemonialer Männlichkeit eine generelle Sorg- beziehungsweise Verantwortungslosigkeit attestiert. Ziel des Beitrages ist es deshalb diese These kritisch zu hinterfragen, indem mittels Interviews explorativ analysiert wird, wie Care in den Lebensrealitäten von Jungen präsent wird und welche möglichen Vorstellungen Jungen von Care entwickeln.

07.12.2021
Religion, Macht, Geschlecht Elemente einer postsäkularen feministischen Religionskritik
Ina Kerner (Koblenz)

Im öffentlichen Diskurs der Bundesrepublik ist oft besonders der Islam im Blick, wenn von Geschlechterasymmetrien im Zusammenhang von Religion die Rede ist — obwohl auch der Katholizismus und Varianten des Protestantismus hinreichenden Stoff für eine feministische Religionskritik bieten. Der Vortrag beleuchtet diese Konstellation. Dabei steht zum einen die Rolle im Mittelpunkt, die unterschiedlichen Spielarten des Feminismus darin einnehmen. Zum anderen soll umrissen werden, wie die feministische Religionskritik auf eine breitere Basis gestellt werden kann.

04.01.2022
Fürsorgeorientierungen und -praktiken in Jungenfreundschaften
Kevin Leja (Jena)

Die heutige Freundschaftsforschung ist stark durch die Untersuchung von Geschlechterunterschieden geprägt (Brandt/Heuser 2016). Als Idealtypus wird häufig die Freundschaft zwischen Mädchen und die dort praktizierte Intimität gesehen („Feminisierung der Freundschaft“ (Baader 2008:57)). Obwohl es mittlerweile einige Veröffentlichungen zum Thema Jungenfreundschaften gibt, bleibt die Verknüpfung mit Aspekten von Fürsorglichkeit häufig auf den Verweis auf fehlende Intimität beschränkt und stellt folglich ein Desiderat dar. Der Vortrag fokussiert Fürsorgeorientierungen und -praktiken in Jungenfreundschaften und möchte somit männliche Jugendliche nicht nur in Hinblick auf Risikobereitschaft und Wettbewerbsorientierung betrachten (wie es in männlichkeitssoziologischen Studien oft der Fall ist), sondern mit Hilfe empirischen Materials vielfältige fürsorgliche Praktiken und damit einhergehende Orientierungen in den Blick rücken.

18.01.2022
Der weibliche Geist des Kapitalismus – Eine Diskursanalyse zum Verhältnis von Erb*innen und Philanthropie in Deutschland
Franziska Wiest (Köln)

Unter dem Thema „Frauen erben anders“ führte ich eine Diskursanalyse anhand von Zeitungsartikeln, Ratgebern und Stiftungsseiten durch, um das Verhältnis von Erbschaft, Geschlecht und Philanthropie genauer zu bestimmen. Das Material reicht zurück zur ersten großen Erbschaftswelle in Westdeutschland Ende der 1990er Jahre und rekonstruiert die aktuellen diskursiven Verschiebungen der jungen Generation der Erbinnen. Die jungen Erb*innen wollen "change not charity". Der Kapitalismus soll weicher, weiblicher, ökologischer und sozialer werden. Statt klassische Philanthropie setzen sie auf unternehmerische Prinzipien. "Ich will was Geiles machen für die Menschheit", so Paula Schwarz, Millionenerbin aus dem Verkauf der Schwarz Pharma AG. Grundlegende These der Arbeit ist, dass sich gegenwärtig ein Wandel kapitalistischer Legitimationsmuster vollzieht, in denen die Erb*innen eine hegemoniale Sprechposition einnehmen. Im Kolloquium soll anhand von empirischem Material diskutiert werden, inwieweit sich an diesem Beispiel ein Wandel von Geschlecht, Patriarchat und Kapitalismus nachvollziehen lässt - auch vor dem Hintergrund aktueller Männlichkeitsforschung.

01.02.2022
In Beziehung zu sich selbstSelbstsorgepraktiken männlicher Jugendlicher
Iris Schwarzenbacher (Jena)

Der Themenkomplex Care und Fürsorge rückt in jüngster Zeit vermehrt in den Fokus der Männlichkeits- und Jungenforschung, wobei der Aspekt der Selbstsorge nach wie vor eher unterbeleuchtet bleibt. Während in Studien zu Männlichkeit und Adoleszenz häufig der Eindruck entsteht, Jungen würden kaum Sorge für andere und auch für sich selbst tragen, möchte dieser Beitrag den Fokus auf Selbstsorgepraktiken männlicher Jugendlicher legen. Anhand der Analyse empirischen Interviewmaterials werden dazu Fragen zum Zusammenhang von Selbstsorgepraktiken und der Konstruktion von Männlichkeit im Jugendalter bearbeitet. Ein besonderer Fokus soll dabei auf der Klassendimension liegen: Welche sozioökonomischen Ressourcen stellen sich als förderlich bzw. hinderlich für die Entwicklung funktionierender Selbstsorgestrategien dar? Nicht zuletzt wird der Beitrag die Frage behandeln, welche Rolle die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen durch die COVID19-Pandemie für Selbstsorgepraktiken männlicher Jugendliche spielen – und inwiefern sich die Verschärfung sozialer Ungleichheiten auch in ebendiesen widerspiegelt.

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