Forschung

"Auseinandersetzungen um das Öffentliche und die Zukunft der Commons. Eigentumsverhältnisse im Kontext wohlfahrtsstaatlicher Transformation" Inhalt einblenden
"Auseinandersetzungen um das Öffentliche und die Zukunft der Commons.   Eigentumsverhältnisse im Kontext wohlfahrtsstaatlicher Transformation" "Auseinandersetzungen um das Öffentliche und die Zukunft der Commons. Eigentumsverhältnisse im Kontext wohlfahrtsstaatlicher Transformation" Bild: Shutterstock

 

"Auseinandersetzungen um das Öffentliche und die Zukunft der Commons.  Eigentumsverhältnisse im Kontext wohlfahrtsstaatlicher Transformation"

Teilprojekt C04 im Sonderforschungsbereich/Transregio 294 "Strukturwandel des Eigentums" an den Universitäten Jena und Erfurt (Website im Aufbau).


 

 


Laufzeit: April 2021 bis Dezember 2024

Projektleitung: Prof. Dr. Silke van Dyk

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Markus Kip

Studentische Mitarbeiter*innen: Moritz Heinrich und Luzie Gerstenhöfer

Kontakt: silke.vandyk@uni-jena.de

Wohlfahrtsstaaten sind eine institutionelle Antwort auf die sozialen Verwerfungen von Gesellschaften, in denen sich das Privateigentum an Produktionsmitteln und Vermögenswerten in den Händen Weniger konzentriert, während die Mehrheit darauf angewiesen ist, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Während in den fordistischen Wohlfahrtsstaaten die Bedeutung des Privateigentums durch (Lohnersatz-)Leistungen, öffentliche Daseinsvorsorge und die Regulierung der Verfügungsmacht von Eigentümer*innen relativiert wurde, haben seit den späten 1970er Jahren Prozesse der Deregulierung, Kommodifizierung und Privatisierung einen Ab- und Umbau sozialer Rechte sowie des öffentlichen Eigentums bedingt. Diese längerfristigen Entwicklungen wurden in vielen Staaten durch die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008 und die Dominanz von Austeritätspolitiken verschärft.

Forschungsleitend geht das TP im Sinne der Entbettungsthese des SFB davon aus, dass im Zuge dieser Prozesse eine länderspezifisch unterschiedlich vollzogene Entbettung von Privateigentum stattgefunden hat, die zugleich durch kommunale Kontexte strukturiert und in diesen wirkmächtig wird und die das Potenzial hat, durch Kürzungen und Restrukturierungen von (Lohnersatz-)Leistungen und öffentlicher Daseinsvorsorge die soziale Reproduktion zu gefährden. Der Boom von lokalen Alternativökonomien, Gemeingütern und neuen Formen der Subsistenz, der Bedeutungszuwachs von Sharing Economies und neuen Munizipalismen, aber auch politische Bemühungen um die Rekommunalisierung von Infrastruktur werden vor diesem Hintergrund im Sinne der Polanyi’schen Doppelbewegung als Gegenbewegungen in den Blick genommen, die nach neuen Regulierungen streben. Konkret fragt das TP, wie unter den Bedingungen von Austerität und darauf reagierenden ökonomischen, politischen und sozialen Gegenbewegungen erstens das Zusammenspiel von öffentlichem, privatem und gemeinschaftlichem Eigentum restrukturiert wird, welche Rolle in diesem Prozess zweitens soziale und arbeitsbezogene (Schutz-)Rechte und nicht-eigentumsbasierte Leih- und Nutzungsarrangements spielen und welche Auswirkungen dies – im Sinne eines Strukturwandels durch Eigentum – drittens auf die Modi wohlfahrtsstaatlicher Steuerung hat. 

Das Teilprojekt erhebt mit Großbritannien und Spanien empirische Daten in zwei Ländern, die beide stark von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen waren und mit umfassenden Austeritätsmaßnahmen reagiert haben. Zugleich unterscheiden sich die Länder bezüglich ihrer wohlfahrtsstaatlichen Regime und der Vorgeschichte der Deregulierung und Privatisierung sowie hinsichtlich der Gestaltungsspielräume kommunaler Akteure und der Bedeutung von lokalen Gegenbewegungen. Das TP setzt empirisch auf drei Ebenen an: Erstens untersucht es die länderspezifischen Prozesse wohlfahrtsstaatlicher Re-Struktu-rierung und Entbettung seit 2008, um dann zweitens ihre Umsetzung und Gestaltung in zwei städtischen Kontexten (Barcelona und Liverpool) zu analysieren, wobei auch gegenläufige Entwicklungen (z.B. der Re-Kommunalisierung) und diesbezügliche politische Auseinandersetzungen Berücksichtigung finden. Drittens untersucht das TP ausgewählte zivilgesellschaftliche Projekte in den Untersuchungsstädten, die auf der Basis von Commons (Gemeineigentum oder Praktiken des Nutzens und Teilens) Lücken der Daseinsvorsorge schließen. Hier ist die Frage zentral, welche Rolle Commons in Krisenzeiten für die Bearbeitung der sozialen Frage jenseits wohlfahrtsstaatlicher Institutionen und Leistungen spielen und welche Auswirkungen sie für die (lokalen) Eigentumsordnungen haben.

„Eigentum am menschlichen Körper im Kontext transnationaler Reproduktionsökonomien“ Inhalt einblenden

„Eigentum am menschlichen Körper im Kontext transnationaler Reproduktionsökonomien“

Teilprojekt C02 im Sonderforschungsbereich/Transregio 294 "Strukturwandel des Eigentums" an den Universitäten Jena und Erfurt (Website im Aufbau).

Neue Dienstleistungen wie Samen- und Eizellspende oder Leihmutterschaft lassen Körperstoffe wie Eizellen und Sperma zu Objekten werden, die veräußert und angeeignet werden können. Diese Praktiken sind eingebettet in die Entwicklung von transnationalen Reproduktionsökonomien, in denen Reproduktionskliniken, Gewebebanken und Vermittlungsagenturen länderübergreifend interagieren. Menschliche Körperstoffe werden in diesem Kontext auf eine historisch neuartige Weise zu Eigentumsobjekten. Zugleich entstehen neue Eigentumssubjekte, die sich zu ihren eigenen oder fremden Körperstoffen auf je spezifische Weise in Beziehung setzen. Auf diese Weise geraten verankerte Vorstellungen von Subjektivität, Leiblichkeit, Familie und Fortpflanzung in Bewegung, und es entstehen neue Formen eigentumsvermittelter Körper-, Selbst- und Sozialbeziehungen.

Das Forschungsprojekt ist als philosophisch-soziologisches Doppelprojekt angelegt. Es zielt darauf, das Zusammenspiel von diskursiven, institutionellen und subjektiven Prozessen des „doing property“ zu untersuchen. Forschungsgegenstand sind zum einen internationale bioethische Debatten zur Problematik des Eigentums am menschlichen Körper. Zum anderen werden mit Hilfe qualitativer Forschungsmethoden Deutungsmuster Praktiken unterschiedlicher Akteur*innen im Zusammenhang mit der Extraktion, Kommerzialisierung und Aneignung von menschlichen Eizellen in bzw. zwischen Deutschland und Spanien erforscht.

Laufzeit: April 2021 bis Dezember 2024

Projektleitung: PD Dr. Stefanie Graefe, PD Dr. Susanne Lettow https://www.mvbz.fu-berlin.de/ueber-uns/team/lettow/index.html

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Merle Heusmann

Studentische Mitarbeiter*innen: Lea Kolling und Klara Morfeld

Kontakt: stefanie.graefe@uni-jena.de

„Freiwilligkeit als Ressource im Gegenwartskapitalismus“ - Forschungsprojekt im Rahmen der DFG-Forscher*innengruppe "Freiwilligkeit" Inhalt einblenden
„Freiwilligkeit als Ressource im Gegenwartskapitalismus“ „Freiwilligkeit als Ressource im Gegenwartskapitalismus“ Foto: Arbeitsbereich Politische Soziologie

„Freiwilligkeit als Ressource im  Gegenwartskapitalismus“

Soziologisches Teilprojekt im Rahmen der von der DFG geförderten interdisziplinären Forschungsgruppe „Freiwilligkeit“ (Erfurt, Oldenburg, Jena)

https://www.uni-erfurt.de/philosophische-fakultaet/forschung/forschungsgruppen/freiwilligkeit

 

Laufzeit: November 2020 bis Oktober 2023

Projektleitung: Prof. Dr. Silke van Dyk, PD Dr. Stefanie Graefe

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Hannah Schilling, Dr.

Studentische Mitarbeiterin: Franziska Wiest

Kontakt: silke.vandyk@uni-jena.de; stefanie.graefe@uni-jena.de

Durch den Wandel des Wohlfahrtsstaats, die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes sowie die digitale Revolution entsteht eine Nachfrage nach Tätigkeiten, die mehr oder weniger unbezahlt, informell und freiwillig erbracht werden (sollen): Vom Engagement im Pflegestützpunkt über unbezahlte (Mehr-)Arbeit in Unternehmen bis hin zur wertschöpfenden Tätigkeit von Konsument*innen in der digitalen Ökonomie. Freiwilligkeit wird, so die Ausgangsvermutung, zum Dreh- und Angelpunkt einer sich neu herausbildenden Mixed-Activity-Economy, der das Teilprojekt in folgenden Untersuchungsfeldern nachgeht: a) Formen der nicht oder niedrig entlohnten Arbeit auf digitalen Plattformen (Prosuming, Clickworking, Sharing); b) freiwilliges Engagement von abhängig Beschäftigten in Unternehmen der digitalen Ökonomie sowie c) analog organisiertes zivilgesellschaftliches Engagement..

Mit diesen Untersuchungsfeldern zielt das Projekt darauf, gegenwartstypische Portfolios freiwilliger Arbeit jenseits betrieblich regulierter Erwerbsarbeit und klassischer Hausarbeit zu untersuchen. Dabei richtet sich das Forschungsinteresse insbesondere auf Tätigkeiten, die im Kontext der sich gegenwärtig herausbildenden digitalen Ökonomie an Bedeutung gewinnen. Ziel ist es, die Ausgestaltung und Kombination dieser Tätigkeiten für Deutschland und die USA vergleichend auszuloten, um den Einfluss unterschiedlicher wohlfahrtsstaatlicher Pfadabhängigkeiten in den Blick zu bekommen.

BMBF-Projekt "Gesema" - „Gesellschaft selber machen? Informelle Ökonomien und soziale Teilhabe in ländlichen Armutsräumen“ Inhalt einblenden
Grafik: Tine Haubner Grafik: Tine Haubner Grafik: Bundesministerium für Bildung und Forschung

 

„Gesellschaft selber machen? Informelle Ökonomien und soziale Teilhabe in ländlichen Armutsräumen“ (Gesema)

BMBF-Einzelforschungsvorhaben im Themenfeld „Teilhabe und Gemeinwohl“









Laufzeit: Januar 2020 bis Dezember 2023

Projektleitung: Dr. Tine Haubner und Prof. Dr. Silke van Dyk

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen: Dr. Mike Laufenberg und Laura Boemke, M.A.

Studentische Mitarbeiter*innen: Wanda Gehrt

Kontakt: gesema@uni-jena.de  / Telefon: +49 3641 9-45550 (Sekretariat)

Unter dem Druck kommunaler Versorgungsdefizite und den Herausforderungen des demografischen Wandels stehen ländliche Räume in Bezug auf Peripherisierungs- und Schrum-pfungsprozesse zunehmend im Fokus von Wissenschaft, Politik und Medien. Während sich einerseits soziale und politische Krisenprozesse hier wie unter einem Brennglas verdichten, erlebt der ländliche Raum andererseits Zeit eine Renaissance als politischer Erprobungsraum zivilgesellschaftlicher Selbstbestimmung, in dem Lücken von Infrastruktur und Daseinsvorsorge jenseits von Markt und Staat geschlossen werden. Mit der Losung „Gesellschaft selber machen“ zeichnet sich ein Trend zu einer „neuen Gemeinschaftlichkeit“ ab (Frech et al. 2017: 15), im Zuge dessen Nachbarschaftsprojekte, Selbsthilfe, bürgerschaftliches Engagement und kooperative Subsistenzökonomie (wieder) an Bedeutung gewinnen. Diese Entwicklung wird zugleich sozialpolitisch befördert: Der aktivierende Sozialstaat setzt zunehmend auf die Förderung lokalen Engagements und informeller Hilfe durch „sorgende Gemeinschaften“. Das sozialintegrative Potenzial und die gemeinwohldienliche Wirkung lokaler Selbsthilfe-, Engagement- und Unterstützungsnetzwerke wird im politischen Feld nahezu unisono gewürdigt. Doch wie steht es tatsächlich um die Aufwertung ruraler Strukturen durch alte wie neue Formen informeller Aktivitäten? Wo liegen die Potentiale aber auch Grenzen einer (Re-)Vitalisierung von Gemeinschaftlichkeit? Und wie können so lokale Versorgungsdefizite kompensiert und zunehmende soziale und regionale Ungleichheiten angemessen adressiert werden?

Zum einen geht das Forschungsprojekt der Frage nach, wie informelle Ökonomien und informelle Selbsthilfe- und Unterstützungsstrukturen in strukturschwachen ländlichen Räumen strukturiert sind, wo und wie sie an die Stelle vormals öffentlicher Angebote treten und welche Bedeutung ihnen unter den Bedingungen von Abwanderung und Schrumpfung, sozialer Ungleichheit und kommunalen Versorgungsdefiziten zukommt. Zum anderen soll untersucht werden, unter welchen Bedingungen diese informellen Strukturen teilhabefördernd und gemeinwohlsteigernd wirken und wann sie stattdessen Gefahr laufen (können), exklusive Solidarität zu etablieren, Prozesse sozialer Polarisierung voranzutreiben, traditionelle Geschlechterrollen zu revitalisieren oder professionelle Standards zu unterlaufen.

Das Forschungsprojekt fragt konkret:

1) ob sich in ländlichen Armutsräumen Prozesse der Informalisierung ehemals öffentlich regulierter, sozialer Daseinsvorsorge beobachten lassen;

2) wie die (tradierte) informelle Ökonomie vor Ort strukturiert ist bzw. welche Aktivitäten und Formen der Selbstversorgung und des Austausches, des Engagements, der Unterstützung und Kooperation existieren;

3) inwiefern informelle und zivilgesellschaftliche Selbsthilfe- und Unterstützungsstrukturen tragfähige Antworten auf lokale Ressourcenverknappung in ländlichen Armutsräumen liefern und zu Gemeinwohl und Teilhabe beitragen können und schließlich

4) wie lokale Akteure Aktivitäten und Formen der Selbstversorgung und Kooperation deuten und welche Ansichten oder Erwartungen sie in Bezug auf Sozialstaat, Arbeitsmarkt, Demokratie und Zivilgesellschaft hegen. Neben der Rekonstruktion der institutionellen Rahmenbedingungen, Praktiken und sozioökonomischen Folgen informeller Selbsthilfe- und Unterstützungsnetzwerke stehen die subjektiven Deutungsmuster und Gesellschaftsbilder der ländlichen Akteure im Fokus – erlauben doch erst diese, soziales Handeln und Vorstellungen von Teilhabe und Gemeinwohl zu verstehen. Das Projekt untersucht mithilfe eines Methodenmixes aus Expertinneninterviews, problemzentrierten Interviews, intergenerationellen Gruppendiskussionen, ethnografischen Haushaltsstudien sowie Dokumen-ten- und Datenanalysen vier ländliche Armutsregionen im Ost-West-Vergleich.

abgeschlossene Forschungsprojekte Inhalt einblenden
  • "Neue Kultur des Helfens oder Schattenökonomie? Engagement und Freiwilligenarbeit im Strukturwandel des Wohlfahrtsstaats" (Forschungsprojekt gefördert  von der Hans-Böckler-Stiftung, Förderphase: April 2017 bis September 2020; Projektleitung: Prof. Dr. Silke van Dyk und Dr. Tine Haubner)

Im Zuge der Restrukturierung hin zum aktivierenden Sozialstaat, forciert durch die Krise der Staatsfinanzen und eine Krise sozialer Reproduktion, gewinnt das sorgende Potenzial unbezahlter Arbeit - auch jenseits familiärer Kontexte - (sozial-)politisch an Bedeutung. In Zeiten, wo immer weniger Frauen ganztägig als "heimliche Ressource der Sozialpolitik" (Beck-Gernsheim 1991: 66) zur Verfügung stehen, wird zunehmend die moralische Pflicht zur gemeinwohldienlichen Aktivität aller Sozialstaatsbürger*innen proklamiert. Angesichts der empirisch gut belegten, politischen Adressierung von Engagement und Freiwilligenarbeit als neuer Produktivitätsressource interessiert uns, inwiefern konkrete Aktivitäten staatlicherseits für eine subsidiäre Daseinsfürsorge in Dienst genommen werden und wie diese Konstellation von Engagierten wie 'Hilfsempfänger*innen' erlebt, gedeutet und gestaltet wird.
Während es an übergreifenden Zeitdiagnosen sowie an Fallstudien zu einzelnen Engagementfeldern nicht mangelt, fehlt es an wohlfahrtsstaatstheoretisch fundierten, empirischen Analysen, die die Inanspruchnahme unbezahlter oder geringfügig entschädigter Arbeit in unterschiedlichen Feldern in den Blick nehmen und ihre materielle wie symbolische Funktion im Wohlfahrtsmix vergleichend eruieren. Ausgehend von einer Rekonstruktion der institutionellen und diskursiven Rahmenbedingungen von Engagement und Freiwilligenarbeit im aktivierenden Sozialstaat, sollen im Forschungsvorhaben entlang der drei empirischen Säulen 'Flüchtlingshilfe', 'Pflege' und 'kommunale Infrastruktur' explorative Fallstudien in Baden-Württemberg und Berlin/Brandenburg durchgeführt werden, die eine im Vergleich geschärfte Analyse der Funktionsmechanismen und Nutzungspraktiken in den verschiedenen Engagementfeldern ermöglichen.
Das Vorhaben zeichnet sich durch die Verschränkung von drei Analyseebenen aus, die in der Forschung bislang weitgehend unverbunden nebeneinander stehen: Die makrosoziologische Analyse politischer Adressierungen, Institutionen und Policies (Ebene 1), d. h. die Analyse der "Regierung der Freiwilligkeit" (Neumann 2016: 23), wird ergänzt um eine qualitative Interviewstudie mit Engagierten und 'Hilfsempfänger*innen', die Mikropolitiken der Freiwilligenarbeit (z. B. mit Blick auf Sinnstiftung, Überforderung oder erlebte Abhängigkeit) in den drei empirischen Säulen in den Blick nimmt (Ebene 2). Hier ist die Frage nach dem Eigensinn - und damit nicht zuletzt nach dem kritischen und widerständigen Potenzial - freiwilligen Engagements im aktivierenden Sozialstaat zentral. Die dritte Analyseebene adressiert die polit-ökonomischen und professionspolitischen Implikationen der Indienstnahme von Engagement und Freiwilligenarbeit, fragt also zusätzlich zu den Mikropolitiken der Freiwilligenarbeit aus Sicht der Akteure nach den materiellen und professionsrelevanten Konsequenzen für die Zukunft von sozialer Daseinsvorsorge und Erwerbsarbeit. Die Zusammenschau aller drei Analyseebenen adressiert die übergreifende Frage, inwiefern das Fördern, Fordern und In-Anspruch-Nehmen von Engagement und Freiwilligenarbeit im aktivierenden Staat zum Vehikel von Informalisierungs- und De-Professionalisierungsprozessen wird.

Publikationen zum Projekt:

Silke van Dyk, Laura Boemke & Tine Haubner (2021): Solidarität mit Geflüchteten und Fallstricke des Helfens, in: Berliner Journal für Soziologie, 31 (1) [im Erscheinen].

Silke van Dyk, Tine Haubner & Laura Boemke (2021): Gemeinwohldienst oder Gratisarbeit? Freiwillige Arbeit im Gegenwartskapitalismus, in: PROKLA 204 [im Erscheinen].

Laura Boemke, Silke van Dyk & Tine Haubner (2021): Freiwilligenarbeit als Ressource. Die Indienstnahme von Engagement und die subjektiven Perspektiven der Engagierten, in: WSI-Mitteilungen 5/2021, S. 374-384.

Silke van Dyk (2021): Umsonst und freiwillig? Die Neuverhandlung des Sozialen und die Informali-sierung von Arbeit, in: WSI-Mitteilungen 5/2021, S. 343-354.

Tine Haubner (2021): „Da könnte es ja auch ein weniger Ausgebildeter machen“. Freiwilligenarbeit im Spannungsfeld umkämpfter Professionalisierung in den Sozialberufen, in: WSI-Mitteilungen 5/2021, S. 364-373.

Silke van Dyk, Laura Boemke & Tine Haubner (2020): Fallstricke des Helfens oder Sternstunden der Solidarität? Engagement für Geflüchtete im Spannungsfeld von Indienstnahme, Rassismus, Charity und Politisierung, in: Bürger & Staat. Heftschwerpunkt „Migration und Teilhabe“, 3/2020, S. 136-143.

Tine Haubner, Laura Boemke & Silke van Dyk (2020): Im Westen nichts Neues, im Osten noch selten? Freiwilliges Engagement im Spannungsfeld von Nachwende-Erbe und neuen Herausforderungen, in: Voluntaris, 8 (1), 2020, S. 57-72.

 

  • "Vom 'verdienten Ruhestand' zum 'Alterskraftunternehmer'? Diskurse und Deutungsmuster des Alters in der aktivgesellschaftlichen Transformation des Sozialstaats" (Teilprojekt im Rahmen des SFB 580 "Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch" der Uni­versitäten Jena und Halle, Förderungsphase: 2008-2012; Projektleitung: Silke van Dyk, Stephan Lessenich).

  • "Zonen des Übergangs. Dimensionen und Deutungsmuster des Alterns bei jungen, älteren und alten Menschen" (Interdisziplinäres Forschungsprojekt im Rahmen des Förderschwerpunktes "Individuelle und gesellschaftliche Perspektiven des Alters" der Volkswagen-Stiftung, Förderphase: November 2008 bis November 2011; Projektleitung: Silke van Dyk, Karena Leppert, Stephan Lessenich, Ulrich Otto, Klaus Rothermund und Bernhard Strauß)

  • Kontinuitäten und Brüche - Tabuisierung und Aufarbeitung. 1922 - 1934 - 2008: Soziologische Wissenschaftsgeschichte aus der Jenaer Perspektive, gefördert durch Prof. Dr. Jan Phillip Reemtsma/Hamburger Institut für Sozialforschung, Laufzeit: April bis Oktober 2008; Projektleitung: Silke van Dyk
Diese Seite teilen
Die Uni Jena in den sozialen Medien:
Ausgezeichnet studieren:
Zurück zum Seitenanfang