Abschied/Resümee des Kollegs Postwachstum und Ausblick

Hier finden Sie ein Schreiben der Prof. Klaus Dörre und Hartmut Rosa zu zehn Jahren Forschung in der DFG-Kollegforscher_innengruppe „Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung. Zur (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften“

Meldung vom: 14. Mai 2021, 15:15 Uhr

Nach fast zehn Jahren gemeinsamer Forschung hat die DFG-Kollegforscher_innengruppe „Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung.
Zur (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften“ ihre Arbeit im März diesen Jahres beendet. Der Dank geht an alle, die den langjährigen Austausch unterstützt haben. Ohne deren Beiträge, das Interesse und die Unterstützung wäre der Erfolg des Kollegs nicht möglich gewesen!

Das Thema der expansiven Dynamik heutiger Wachstumsgesellschaften, ihrer Folgen, Grenzen und Alternativen, wird – so viel dürfte gewiss sein – nicht an Bedeutung verlieren. Dass dazu in Jena gemeinsame Pionierarbeit geleistet wurde, hat das Land Thüringen im April mit dem
Preis für Grundlagenforschung gewürdigt – eine Auszeichnung, über die wir uns sehr freuen, und ein Abschluss, wie man ihn sich runder nicht
wünschen kann!

Die Anstöße des Kollegs werden zukünftig in anderer Form und in anderen Zusammenhängen weitergeführt werden, so etwa am neugegründeten Jena-Erfurter SFB zum „Strukturwandel des Eigentums“ sowie in den BMBF-Nachwuchsgruppen „Bioökonomie und soziale Ungleichheiten“<https://www.bioinequalities.uni-jena.de/> und „flumen: Mentalities in Flux“<http://www.flumen.uni-jena.de/>. Ans Herz legen möchten wir Ihnen in dieser letzten E-Mail den Newsletter des Berliner Journals für Soziologie. Das Journal hat einen Sonderband mit wichtigen Ergebnissen des Kollegs vorgelegt und wird den Dynamiken gesellschaftlicher Transformation auch in Zukunft besondere Aufmerksamkeit widmen. Außerdem möchten wir Ihnen ein letztes Mal aktuelle Neuerscheinungen vorstellen, mit denen die Kollegforschungsgruppe ihre Arbeit beendet.

Wir bedanken uns für Ihre Anregungen und Mitarbeit und hoffen, unseren Kontakt auch in Zukunft aufrechtzuerhalten. Bleiben Sie gesund!

Klaus Dörre und Hartmut Rosa

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Alle Themen dieses Abschieds/Ausblicks im Überblick:

   1.  Ende der DFG-Kollegforschungsgruppe „Postwachstumsgesellschaften“
   2.  Thüringer Forschungspreis 2021
   3.  Neuer SFB „Strukturwandel des Eigentums“ an der FSU Jena und der Universität Erfurt
   4.  Newsletter des Berliner Journals für Soziologie
   5.  Neuerscheinungen zum Abschluss des Kollegs


1. Abschluss des Kollegs Postwachstum

Im Oktober 2011 wurde am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität die Kollegforscher_innengruppe „Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung. Dynamik und (De-)Stabiliserung moderner Wachstumsgesellschaften“ http://www.kolleg-postwachstum.de/ mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingerichtet. Antragsteller und Initiatoren waren Klaus Dörre, Stephan Lessenich und Hartmut Rosa.

Zum engeren Kreis der Mitarbeiter_innen gehörten im Laufe der Jahre Christine Schickert, Ilka Scheibe, Kathy Kursawe, Karina Becker, Sophie Bose, Maria Backhouse, Barbara Muraca, Dennis Eversberg, Tine Haubner, Hanna Ketterer, Steffen Liebig, Benjamin Seyd, Dimitri Mader, Rebecca Sequeira und Johanna Sittel. Außerdem haben Stefan Schmalz, Jörg Oberthür und Stefanie Graefe für die Themengruppe gearbeitet.

In beinahe zehn Jahren des gemeinsamen Austausches mit über 80 Fellows wurden 16 Tagungen und über 20 Workshops veranstaltet, ungezählte Kolloquien und weitere Veranstaltungen durchgeführt sowie vielfältigste Veröffentlichungen herausgebracht. Darüber hinaus hat das Kolleg in hervorragender Weise zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses beigetragen. Aus dem Kolleg heraus sind neun Dissertationen und zwölf Habilitationen entstanden, von denen einige inzwischen preisgekrönt sind. So haben gleich mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kollegs (Dennis Eversberg, Tine Haubner, Alexandra Schauer) den Dissertationspreis der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) erhalten. Aus dem Stamm der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der vom Nachwuchs gebildeten Themengruppe des Kollegs sind bisher außerdem neun Professorinnen und Professoren hervorgegangen. All das zeugt von besonders günstigen Bedingungen für die individuelle Qualifizierung.

Den Schlusspunkt bildete zu unserer großen Freude die Auszeichnung mit dem Thüringer Forschungspreis für Grundlagenforschung 2021.



2. Thüringer Forschungspreis für Grundlagenforschung 2021

Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wurde am 14. April von den Kollegs-Initiatoren entgegengenommen.

Klaus Dörre betonte in seiner Dankesrede die Wichtigkeit eines aktiven Wandels in Richtung demokratischer Postwachstumsgesellschaften, zu dem die beteiligten Soziologinnen und Soziologen auch nach Abschluss des Kollegs beitragen wollten.
Der Forschungspreis sei dafür Anerkennung und Motivation zugleich. 
Den vollen Bericht zur Verleihung des Preises gibt es hier


3. Neuer SFB 294: „Strukturwandel des Eigentums“

Jedem Ende wohnt bekanntlich ein neuer Anfang inne: Am 26. November 2020 hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft den Sonderforschungsbereich / Transregio 294 „Strukturwandel des Eigentums“ bewilligt. Haben schon die Kollegs-Forschungen immer wieder gezeigt, dass Probleme sozialer und ökologischer Transformation unweigerlich auch die Eigentumsfrage berühren, wird der neue SFB Transregio 294 diese Fragen nun vertiefen. Auch in methodischer Hinsicht hat das Kolleg Schule gemacht: Mit der Idee der Transfergruppen schließt der von Hartmut Rosa, Silke van Dyk und Tilman Reitz geleitete SFB an das Prinzip der konstruktiven Kontroverse mit Experten inner- wie außerhalb der Wissenschaft an.
Zur offiziellen Mitteilung zum SFB geht es hier

Die Website des SFB finden Sie unter: https://sfb294-eigentum.de/de/


4. Newsletter des Berliner Journal für Soziologie

Zur Abschlusskonferenz „Great Transformation: Die Zukunft moderner Gesellschaften“, die im September 2019 in Jena stattfand, ist in Zusammenarbeit mit dem Berliner Journal für Soziologie ein Sonderband entstanden. Das Berliner Journal wird auch zukünftig Diskussionen zu Fragen und Problemen gesellschaftlicher Transformation eine Plattform geben. Ein Newsletter informiert in regelmäßigen Abständen über
aktuelle Veröffentlichungen des Journals. twitter.com/BerlinerJournal


5. Neuerscheinungen zum Abschluss des Kollegs

Stefanie Graefe: Resilienz im Krisenkapitalismus. Wider das Lob der Anpassungsfähigkeit

Stefanie Graefe unterzieht die aktuelle Konjunktur der Resilienz einer kritischen Überprüfung und fragt nach dem Preis, den wir für das Lob der Krisenfestigkeit zahlen müssen.
Erschienen im September 2019 im Verlag transcript, 234 Seiten.

Hartmut Rosa: Remède à l’accélération. Impressions d’un voyage en Chine et autres textes sur la résonance
Zu Deutsch: „Heilung von der Beschleunigung. Eindrücke von einer  Reise nach China und andere Texte zum Thema Resonanz“. Essayband mit 
einem Vorwort von Alexandre Lacroix.
Erschienen im März 2021 beim Verlag  Flammarion, 144 Seiten.

Klaus Dörre: Ακροδεξιά ανταρσία και αριστερή πολιτική. Η εργατική τάξη στο βοναπαρτικό κράτος. Δέκατη τρίτη διάλεξη στη μνήμη του 
Νίκου Πουλαντζά
Zu Deutsch: „Rebellion von rechts und Politik von links. Die  Arbeiterklasse im bonapartistischen Staat. Dreizehnter Vortrag zum Gedenken an Nikos Poulantzas“.
Erschienen im März 2021 beim Verlag Nissos, 144 Seiten.

Klaus Dörre: Die Utopie des Sozialismus. Kompass für eine Nachhaltigkeitsrevolution
Zum Abschluss der Forschungsarbeiten des Kollegs legt Klaus Dörre einen Band vor, der als eine Art Kompass für einen Weg in eine 
postkapitalistische Gesellschaft fungieren soll.
Der Band erscheint zum 1. Juli 2021 im Verlag Matthes & Seitz, 260 Seiten.

Klaus Dörre: Die demobilisierte Klassengesellschaft. Begriffe, Theorie, Analysen, Politik
Im Anschluss an Karl Marx, Ralf Dahrendorf, Silvia Federici und Erik Olin Wright wagt Klaus Dörre im Band 1 des „Projekt Klassenanalyse 
Jena“ eine konflikttheoretisch ausgerichtete Neubegründung von Klassentheorie und -analyse.
Der Band erscheint zum 21. Juli 2021 im Verlag Campus, 200 Seiten.

Steffen Liebig: Arbeitszeitverkürzung als Konvergenzpunkt? Sozial-ökologische Arbeitskonzepte, Wachstumskritik und gewerkschaftliche Tarifpolitik
Obwohl die Zeit für klimapolitische Weichenstellungen drängt, werden die Positionen von Gewerkschaften und Sozialökologie in Bezug auf 
neue Arbeitszeitmodelle bisher getrennt verhandelt, was zu wechselseitigen Leerstellen führt. Liebig zeigt, dass die Politik der Arbeitszeitverkürzung geeignet ist, beide Positionen zu verbinden, und eine Schlüsselfunktion für die sozial-ökologische Transformation einnimmt.
Erscheint zum 18. August 2021 im Verlag Campus, 410 Seiten.

Andreas Reckwitz & Hartmut Rosa: Spätmoderne in der Krise: Was leistet die Gesellschaftstheorie?
In jüngster Zeit haben Andreas Reckwitz und Hartmut Rosa großangelegte, jedoch ganz unterschiedlich akzentuierte Gesellschaftstheorien vorgelegt, welche die gegenwärtigen Debatten über die Spätmoderne maßgeblich bestimmen. In diesem gemeinsamen Buch treten sie nun in einen kritischen Dialog.
Der Band erscheint im Oktober 2021 beim Suhrkamp Verlag, 300 Seiten.


Anthropological Theory, Special Issue zu „Democracy in Liberal Post Growth Societies“, Tilman Reitz, 
Peter Schulz, Mariana Schütt und Benjamin Seyd (Hg.)
Erschienen im Januar/Februar 2021 im Journal Anthropological Theory (online first):

· Introduction: Democracy in liberal post-growth societies – a zero-sum game? (Benjamin Seyd, Mariana Schütt, Peter Schulz, Tilman 
Reitz)
· The ghosts of progress: contradictory materialities of the great capitalist Golden Age (Éric Pineault)
· The reshaping of political representation in post-growth capitalism. A paradigmatic analysis of green and right-wing populist 
parties (Tilman Reitz, Dirk Jörke)
· From democracy at others’ expense to externalization at democracy’s expense: Property-based personhood and citizenship struggles in organized and flexible capitalism (Dennis Eversberg)
· Post-growth, post-democracy, post-Memoranda: What can the ‘post-growth’ debate learn from Greece and vice versa? (Maria Markantonatou)
· Political discontent and labor in a post-growth Region: A View from East Germany (Stefan Schmalz, Ingo Singe, Anne Hasenohr)
· Eating ourselves out of industrial excess? Degrowth, multi-species conviviality and the micro-politics of cultured meat (Lars Gertenbach, Jörn Lamla, Stefan Laser)


Corona – Krise – Kritik: Eine Kontroverse im Berliner Journal für Soziologie

· Editorial (Benjamin Seyd)
· Die Corona-Pandemie – eine Katastrophe mit Sprengkraft (Klaus Dörre)
· Pfadabhängigkeit, Bifurkationspunkte und die Rolle der Soziologie. Ein soziologischer Deutungsversuch der Corona-Krise (Hartmut Rosa)
· Soziologie – Corona – Kritik (Stephan Lessenich)


taz-Interview mit Hartmut Rosa: „Die Umwege fehlen jetzt“ Corona hat das Hamsterrad des Lebens gebremst, trotzdem sind wir rastloser. Soziologe Hartmut Rosa sagt, warum die Krise die Jungen besonders trifft.

Klaus Dörre: Expropriações. Para uma sociologia crítica do capitalismo
Zu Deutsch: „Enteignungen. Auf dem Weg zu einer kritischen Soziologie des Kapitalismus“.
Im Erscheinen beim Verlag Boitempo.

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