Turm/Rosen

Forschung

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Unser Forschungsprofil

Das Institut für Soziologie in Jena steht für eine Soziologie, die sich im Dreiklang als öffentlich, kritisch und pluralistisch versteht. Die Arbeit des Instituts schließt an jüngere Konzepte einer Public Sociology an, die davon ausgeht, dass sozialwissenschaftliches Wissen auch im Zusammenspiel und Dialog mit Intellektuellen, zivilgesellschaftlichen Akteuren und Expert*innen aus den unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen gewonnen wird. Ein solches Verständnis öffentlicher Forschung geht über einen unilateralen Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Gesellschaft hinaus und öffnet Räume für die Ko-Produktion von Wissen. Dabei vertritt das Institut eine kritische Soziologie, die dem Anspruch folgt, gesellschaftliche Verhältnisse nicht nur zu beschreiben, sondern theoretisch versiert und empirisch fundiert zur Kritik von Herrschafts-, Ungleichheits- und/oder Ausbeutungsverhältnissen beizutragen. Die öffentliche und kritische Soziologie des Instituts ist zugleich eine pluralistische Soziologie: Dies äußert sich nicht nur in einer großen thematischen Vielfalt, sondern auch und vor allem in der Bezugnahme auf eine große Bandbreite unterschiedlicher Paradigmen, Theorien und Methoden.

Da soziologische Forschung mehr ist als die Anhäufung von Daten basiert diese Forschungshaltung auf einem zweiten Dreiklang: der Zusammenführung von Gesellschafts- und Subjekttheorien mit einer für aktuelle Transformationsprozesse sensiblen Zeitdiagnose sowie einer methodisch breit aufgestellten, qualitative wie standardisierte Verfahren gleichberechtigt umfassenden, empirischen Sozialforschung.

Unsere zentralen Forschungsthemen

#Arbeit und Ökonomie im Wandel Inhalt einblenden

In diesem Schwerpunkt geht es um die Erforschung der Transformation von (Lohn-)Arbeitsgesellschaften und Arbeitsmärkten unter den Bedingungen einer intensivierten Globalisierung. Dabei geht es sowohl um Strukturveränderungen auf der Makroebene (Finanz-, Waren- und Arbeitsmärkte) als auch auf der Mikroebene (z.B. im Betrieb oder in der Familie) sowie um Aktivitäten und Aktionen individueller und kollektiver Akteure (z.B. Gewerkschaften). Prozesse der Prekarisierung sind in den Forschungsarbeiten des Institutes ebenso zentral, wie Entwicklungen der Finanzialisierung, der De-Standardisierung von Erwerbsarbeit, der Polarisierung von Arbeitsmärkten oder des Fachkräftemangels.

 

Geförderte Forschungsprojekte

Arbeitsnehmerperspektiven auf die Konversionschancen der Automobilindustrie in Ostdeutschland (KonvAT)

Projektleitung: Prof. Klaus Dörre 

Förderung: Stiftung zur Förderung arbeitsmarktpolitischer Vorhaben in den Neuen Ländern (OBS)

Laufzeit: 16.04.2018  - 31.07.2019

weitere Infos zum Projekt: https://www.soziologie.uni-jena.de/Arbeitsbereiche/Arbeits__+Industrie_+und+Wirtschaftssoziologie/Forschung.html

#Ungleichheit, Klassen- und Eigentumsverhältnisse Inhalt einblenden

Eng verbunden mit der Transformation von Arbeitsgesellschaften ist die Entwicklung globaler und nationaler sozialer Ungleichheit(en). Wir erleben gegenwärtig die Zunahme von Einkommens- und Vermögensungleichheiten innerhalb der meisten nationalen Gesellschaften, bei gleichzeitiger Abnahme von Ungleichheiten zwischen den Staaten des Nordens und des Südens. In diesem Schwerpunkt geht es um die empirische Erforschung von Verteilungs- und Sozialstrukturen sowie Bildungsverläufen, um die Untersuchung von Klassenverhältnissen und -konflikten sowie um die Analyse wohlfahrtsstaatlicher Institutionen und sozialpolitischer Instrumente in ihrem Einfluss auf gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse. Zentral ist im Institut zudem die Analyse von Eigentumsverhältnissen, welche in der Soziologie ob ihrer Konzentration auf die Verteilung von Einkommen und Gütern jahrzehntelang vernachlässigt worden sind.

 

Geförderte Forschungsprojekte

Projekt Klassenanalyse Jena 

Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Dörre

Förderung: Rosa-Luxemburg-Stiftung

weiter Infos zum Projekt hier

Evaluation der Folgen von Studienstrukturreform und Hochschulexpansion für die Arbeitsmarkterträge von Hochschulabsolventinnen und -absolventen 

Projektleitung: Prof. Dr. Kathrin Leuze

Förderung: Brückenprojekt des Leibniz Center for Science and Society (LCSS), Universität Hannover

Projektlaufzeit: April 2019 – März 2021 

weiter Infos zum Projekt hier

Weitere Forschungsvorhaben

Björn Seipelt, Arbeitsbereich Methoden der empirischen Sozialforschung und Sozialstrukturanalyse, Dissertationsprojekt: Bedingungen und Konsequenzen herkunftsspezifischer Studienfachwahl

Das Dissertationsprojekt widmet sich der Frage, warum Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft unterschiedliche Studienfächer wählen und welche Konsequenzen sich daraus für den Studienverlauf und den Zugang zur Promotion ergeben. So wird erstens gezeigt, welche herkunftsspezifischen Ungleichheiten bei der Studienfachwahl bestehen und wodurch sich diese erklären lassen. Zweitens wird die Frage bearbeitet, welche Konsequenzen die herkunftsspezifische Studienfachwahl für den weiteren Studienerfolg von Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft hat. Drittens wird der Frage nachgegangen, welche Konsequenzen die herkunftsspezifische Studienfachwahl für herkunftsspezifischen Ungleichheiten beim Zugang zur Promotion besitzt. Durch die Betrachtung von Ursachen und Konsequenzen des Phänomens an unterschiedlichen Zeitpunkten – vor Studienbeginn, im Studienverlauf und nach Studienabschluss - entsteht ein umfassendes Bild der empirisch vielfach bestätigten aber bisher noch nicht hinreichend erforschten herkunftsspezifischen Disparitäten bei der Studienfachwahl. Dabei liegt der Fokus stets auf der weitreichenden Bedeutung herkunftsspezifischer Studienfachwahl für die Reproduktion von sozialer Ungleichheit.

Projektlaufzeit: Oktober 2018 - März 2021

Kooperationspartner: Dr. Markus Lörz, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)

Das Dissertationsprojekt wird zum Teil im Rahmen des Brückenprojekts Studienfachwahl: Determinanten, Prozesse und soziale Reproduktion am Leibniz Center for Science and Society (LCSS)  bearbeitet.

 

Katja Pomianowicz, Arbeitsbereich Methoden der empirischen Sozialforschung und Sozialstrukturanalyse, Dissertationsprojekt

Im Rahmen der Promotion wird ergründet, inwiefern es im Laufe der Bildungswege von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu Unterschieden im Vergleich zu einheimischen Jugendlichen kommt und wie diese durch institutionelle Gegebenheiten des Bildungssystems beeinflusst werden. Das übergeordnete Ziel der Promotion liegt somit in der Ergründung der Ursachen der migrationsbedingten Bildungsungleichheiten, die über die individuellen und familiären Bedingungen hinausgehen und die spezifischen nationalen und schulischen Wirkungskontexte als zusätzliche Erklärungen thematisieren und ergründen. Die kumulative Promotion wird in drei Artikeln ergründen, wie sich die migrationsbedingten Bildungsunterschiede über den Lebensverlauf entwickeln. Der Schwerpunkt der jeweiligen Dissertationspapiere liegt in der ländervergleichenden Forschung, um die kontextuellen Faktoren auf der Institutionenebene und deren Einfluss zu untersuchen. Insbesondere wird hierbei der der institutionellen Stratifizierungsrades des Bildungssystems fokussiert, da die bisherige Forschung von einem erheblichen ungleichheitsfördernden Einfluss auf Bildungsungleichheiten ausgeht. Im Fokus der Promotion stehen Ungleichheiten in den schulischen Leistungen, in den Bildungsaspirationen sowie in den tertiären Bildungswegen zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund.

Projektlaufzeit: Oktober 2015 - März 2020

#Geschlechterverhältnisse, Care und Soziale Reproduktion Inhalt einblenden

Weder Arbeitsgesellschaften noch Ungleichheits- oder Eigentumsverhältnisse können 'geschlechtsneutral' adressiert werden, weshalb ein geschlechtersensibler Blick eine Selbstverständlichkeit in allen Forschungsschwerpunkten ist. Zugleich bildet die Analyse von Geschlechterverhältnissen aber auch einen eigenen Schwerpunkt unserer Arbeit: Die Analyse von Männlichkeit (im Wandel) ist hier ebenso zentral wie die Untersuchung von Familienstrukturen, Paarbeziehungen und Sexualität im Wandel. Ausgehend von einem erweiterten Arbeitsbegriff, der neben Erwerbsarbeit auch unbezahlte Haus- und Sorgearbeit umfasst, wird im Institut ferner zur Krise der sozialen Reproduktion und zum Wandel von Care- und Sorgeverhältnissen in Zeiten familialen, wohlfahrtsstaatlichen und demographischen Wandels geforscht. In diesem Zusammenhang ist auch die Beschäftigung mit dem Alter(n) von Gesellschaft und Individuen ein zentraler Forschungsfokus.

 

Geförderte Forschungsprojekte

„Fürsorgliche Jungen? Alternative (Forschungs-)Perspektiven auf die Reproduktionskrise“ 

Projektleitung: Prof. Dr. Sylka Scholz

Förderung: DFG-Projekt

Projektlaufzeit: 01.02.2019-31.01.2022

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„Studien- und Berufswahl von männlichen Jugendlichen im Feld von Sorge-Tätigkeiten“

Projektleitung: Prof. Dr. Sylka Scholz

Förderung: Teilprojekt im BMFSFJ geförderten Verbundprojekt „Jungen und Bildung“

Projektlaufzeit: 01.11.2018-30.09.2021

weitere Infos zum Projekt hier

Neue Kultur des Helfens oder Schattenökonomie -  Engagement und Freiwilligenarbeit im Strukturwandel des Wohlfahrtsstaats

Projektleitung: Prof. Dr. Silke van Dyk und Dr. Tine Haubner 

Förderung: Hans-Blöcker-Stiftung

Laufzeit: 2017-2020

weitere Infos zum Projekt hier

Berufliche Geschlechtersegregation und ihre Bedeutung für die (Re-)Produktion von Geschlechterungleichheiten im deutschen Arbeitsmarkt

Projektleitung: Prof. Dr. Kathrin Leuze

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Projektlaufzeit: April 2015 – November 2018 (2. Förderphase)

weitere Infos zum Projekt hier

 

Weitere Forschungsvorhaben

Prof. Dr. Kathrin Leuze, Arbeitsbereich Methoden der empirischen Sozialforschung und Sozialstrukturanalyse: Die Bedeutung von horizontaler Segregation nach Studienfächern für Bildungs- und Arbeitsmarktungleichheiten zwischen hochqualifizierten Frauen und Männern

Das Forschungsprojekt fokussiert auf Geschlechterungleichheiten unter hochqualifizierten Frauen und Männern im Studium und auf dem Arbeitsmarkt und fragt, welche Bedeutung der geschlechtstypischen Studienfachwahl diesbezüglich zukommt. Einerseits können sind Frauen heutzutage höher qualifiziert sind als Männer, erhalten bessere Noten und schließen häufiger ein Hochschulstudium ab. Andererseits sind sie im Arbeitsmarkt nach wie vor benachteiligt und haben im Anschluss an ihr Studium ein größeres Risiko, gar nicht oder Teilzeit beschäftigt zu sein bzw. sie arbeiten in anderen Berufen und statusniedrigeren Positionen. Da Frauen nach wie vor andere Fächer studieren als Männer, untersucht das Projekt, welche Bedeutung die horizontale Segregation von Studienfächern einerseits für Geschlechterungleichheiten im Studienerfolg, vor allem mit Blick auf Studienfachwechsel, und andererseits für die Entwicklung von ungleichen Arbeitsmarktchancen im Lebensverlauf von akademisch gebildeten Frauen und Männern hat.

 

Prof. Dr. Kathrin Leuze, Arbeitsbereich Methoden der empirischen Sozialforschung und Sozialstrukturanalyse: Individuelle und institutionelle Einflussfaktoren auf geschlechts(un-)typische Berufsaspirationen im Jugendalter

Aus der Literatur ist es hinlänglich bekannt, dass Frauen und Männer in anderen Berufen arbeiten und dass diese geschlechtstypische „Berufswahl“ mit ungleichen Arbeitsmarkterträgen einhergeht. Allerdings ist bislang immer noch wenig darüber bekannt, warum sich junge Frauen und Männer für unterschiedliche Berufe interessieren und warum sich die geschlechtstypischen Berufsaspirationen zwischen industrialisierten Ländern unterscheiden. Daher untersucht das Projekt in einem ersten Schritt mögliche Einflussfaktoren für die Entwicklung von geschlechts(un-)typischen Berufsaspirationen und fokussiert auf die Bedeutung von Kompetenzen und Noten, das Elternhaus sowie das schulische Umfeld. In einem zweiten Schritt werden diese Analysen auf 30 Länder der EU und der OECD ausgeweitet. Untersucht wird zum einen, inwiefern kulturelle und institutionelle Länderunterschiede die geschlechtsstereotypen Berufserwartungen beeinflussen, und zum anderen, ob sich dadurch auch Länderunterschiede in den Präferenzen für MINT Berufe (Mathematik, Ingenieurswissenschaften, Naturwissenschaften, Technik) erklären lassen.

 

Dr. Charlotte Büchner, Arbeitsbereich Methoden der empirischen Sozialforschung und Sozialstrukturanalyse: Entwicklungsaufgaben und geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten

Das Habilitationsprojekt setzt sich mit differentiellen schulischen Leistungen und Bildungserfolgen von Jungen und Mädchen auseinander. Bisherige Studien zeigen, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in der schulischen Bildungsbeteiligung und im Zertifikatserwerb vor allem im höheren Sekundarschulbereich zu finden sind und diese deutlich zugunsten der Mädchen ausfallen. Jungen sind proportional häufiger an Hauptschulen vertreten und verlassen die Schule häufiger ohne einen Abschluss, während Mädchen an Gymnasien überrepräsentiert sind und häufiger die Allgemeine Hochschulreife erlangen als Jungen. Aufbauend auf dem Konzept psychosozialer Entwicklungsaufgaben wird angenommen, dass Mädchen und Jungen zentrale Lebensbereiche im Jugendalter unterschiedlich bewältigen und dies im Zusammenhang mit ihren unterschiedlichen Bildungserfolgen steht. Für die empirische Untersuchung interessiert dabei die Frage, welche Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen in der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben Bindung, Regeneration und Partizipation bestehen und inwiefern diese zu geschlechtsspezifischen Bildungsungleichheiten zuungunsten von Jungen beitragen. Neben dem Geschlecht wird auch das Bildungsmilieu der Jungen und Mädchen einbezogen, um im Rahmen der Auseinandersetzung mit dem theoretischen Konzept differenziertere Erkenntnisse zu gewinnen. Die empirische Untersuchung basiert auf einer Fragebogenerhebung aus dem Jahr 2014, durchgeführt und finanziert durch den Lehrstuhl Allgemeine Erziehungswissenschaft und empirische Bildungsforschung der Universität Erfurt. Befragt wurden insgesamt 1.192 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen neun und zehn an deutschen Regelschulen und Gymnasien im Raum Mittelthüringen.

 

Dr. Tine Haubner, Arbeitsbereich Politische Soziologie: Geld oder Leben - Sorge und Sorgearbeit im Kapitalismus

Brigitte Aulenbacher, Cornelia Klinger und Tine Haubner arbeiten gerade an der Publikation eines Buches mit dem Titel "Geld oder Leben - Sorge und Sorgearbeit im Kapitalismus". Die Publikation, die Sorge und Sorgearbeit im späten Kapitalismus ins Visier nimmt, geht von der Ausgangsannahme aus, dass im späten Kapitalismus nicht nur Arbeit, sondern das ganze Leben Maximen von Effizienz und Profit unterworfen werden soll. Sorge und Sorgearbeit werden dabei global neu geordnet und sind technologisch, wirtschaftlich, zivilgesellschaftlich und ‚privat‘ umkämpft. In die neue Ordnung des Sorgens schreiben sich zudem alte Macht- und Herrschaftsverhältnisse nach Gender, Race, Class ein. Die drei Autorinnen betrachten das spätkapitalistische Sorgeregime aus philosophischen und soziologischen Perspektiven. Ihre Sozial- und Zeitdiagnosen verbinden sie mit der Suche nach Wegen aus den Krisen gesellschaftlicher Reproduktion.

Das Buch soll im Frühjahr 2020 im Beltz-Verlag erscheinen: https://www.beltz.de/fachmedien/soziologie/produkte/produkt_produktdetails/40316-geld_oder_leben_sorge_und_sorgearbeit_im_kapitalismus.html.

 

Prof. Dr. Sylka Scholz, Arbeitsbereich Qualitative Methoden und Mikrosoziologie: Caring Masculinities. Zur Relation von Fürsorge und Männlichkeiten

Männern werden neuerdings (wieder) stärker in den Fürsorgebereich involviert. Sie tauchen in der Position des aktiven Vaters, des Fürsorgegebers in der häuslichen Pflege von Familienangehörigen, in der Alten-/Krankenpflege oder des Erziehers in der Kita auf. Sichtbar wird, dass Fürsorglichkeit/Care gegenwärtig neu verhandelt wird. Die Fürsorglichkeit/Care ist in modernen kapitalistischen Gesellschaften dem weiblichen Geschlechtscharakter zugeschrieben. Diese Relation bricht aus unterschiedlichen Gründen auf. Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich mit dem Zusammenhang von Männern, Männlichkeiten und Fürsorge. Mich interessiert, ob und wie die Erfahrungen als Care-Giver die individuellen Männlichkeitskonstruktionen verändern. Und weitergehend: Können Fürsorgeerfahrungen das Potential einer subjektiven Transformation entfalten? Beziehen sich diese nur auf den privaten Lebensbereich? Entwickelt sich eine Fürsorgehaltung, die sich auch politisieren ließe etwa hinsichtlich des Engagements für eine demokratische Postwachstumsgesellschaft? Vor diesem Hintergrund habe ich gemeinsam mit Andreas Heilmann ein Hearing zum Thema „Männlichkeiten in kapitalistischen Wachstumgesellschaften“ (Januar 2018) im Kolleg Postwachstumsgesellschaften organisiert und mehrere Aufsätze publiziert u.a. „Caring Masculinities – gesellschaftliche Transformationspotentiale fürsorglicher Männlichkeiten?“ in: Feministische Studien, Schwerpunkt Postwachstum, 31. Jg. H. 2, 349-357 und Repliken, ebd., 369-373). Im Juli 2019 wird der Tagungsband „Caring Masculinities. Männlichkeiten in der Transformation kapitalistscher Wachstumgesellschaften“ beim Oekom Verlag München erscheinen.

#Technologischer Wandel, Digitalisierung und Informationsgesellschaft Inhalt einblenden

Rasanter technologischer Wandel strukturiert Arbeits- und Lebensverhältnisse im Allgemeinen sowie die Verarbeitung von Wissen und Informationen im Besonderen von Grund auf neu. In diesem Forschungsschwerpunkt werden die Bedingungen und Folgen forcierter Digitalisierung in der Arbeitswelt (Stichwort 'Industrie 4.0') und Freizeit ebenso untersucht wie Fragen des geistigen Eigentums in der digitalisierten Wissensökonomie, die Bedeutung von Wissen und Informationen für die Transformation des Gegenwartskapitalismus (Stichwort 'Postkapitalismus' oder 'Wissenskapitalismus') oder die Veränderung von Zeit- und Eigentumsstrukturen an den Finanzmärkten, wenn Wertpapiere, automatisiert gehandelt, nur noch für Bruchteile von Sekunden gehalten werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Forschungsarbeiten in diesem Bereich ist die Untersuchung der Re-Strukturierung von 'Privatheit' bzw. Privatsphäre und Öffentlichkeit(en) in Prozessen der Digitalisierung.

Geförderte Forschungsprojekte

Das vermessene Leben. Produktive und kontraproduktive Folge der Quantifizierung in der digital optimierenden Gesellschaft

LeitungProf. Dr. Hartmut Rosa, Universität Jena, Lehrstuhl für allgemeine und theoretische Soziologie

Laufzeit: 01.02.2018-31.01.2021

Förderung: VW-Stiftung in der Förderlinie "Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft"

weitere Infos zum Projekt unter www.ipu-berlin.de und www.sigmund-freud-institut.de

GAP - Gesunde Arbeit in Pionierbranchen

Projektleitung: Prof. Klaus Dörre, Thomas Engel

Förderung: BMBF

Laufzeit: 01.01.2016 - 30.04.2019

weitere Infos zum Projekt: https://gesunde-digitale-arbeit.de/projektvorstellung/

#Demokratie, Populismus und Strukturwandel des Öffentlichen Inhalt einblenden

Die forcierte Digitalisierung und die wachsende Bedeutung sozialer Netzwerke restrukturieren demokratische Öffentlichkeiten mit ambivalenten Effekten: Zum einen werden neue Formen demokratischer Auseinandersetzungen und massenhafter Mobilisierung ermöglicht, zum anderen unterminieren intransparente Algorithmen, der Schutz der Anonymität und die digitale Verbreitung von 'Fake News' den demokratischen Diskurs und stärken den Einfluss regressiver Kräfte. In diesem Schwerpunkt geht es um den Wandel und die Gefährdung der Demokratie unter Bedingungen des weltweit erstarkenden Rechtspopulismus einerseits sowie eines einseitig an Unternehmensinteressen orientierten Neoliberalismus andererseits. Die Frage nach den Ursachen für das Erstarken rechter Kräfte wird ebenso erforscht wie die anti-demokratischen Effekte einer auf Alternativlosigkeit und Sachzwanglogik angelegten Wirtschafts- und Austeritätpolitik. Die Diagnose eines grundsätzlichen, gleichwohl historisch unterschiedlich ausgestalteten Spannungsverhältnisses von Demokratie und Kapitalismus bildet den gemeinsamen Ausgangspunkt der Forschung in diesem Bereich.

 

Geförderte Forschungsprojekte

Verbundprojekt: Neue Konturen von Produktion und Arbeit. Verstetigung des interdisziplinären Zentrums für IT-basierte qualitative arbeitssoziologische Forschung (eLabour II). 

 "Betriebsrätehandeln und gewerkschaftliche Erneuerung" und Mitarbeit am Aufbau des Zentrums 

Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Dörre

Förderung: BMBF

Laufzeit: 01.10.2018 - 30.09.2020

weitere Infos zum Projekt: www.elabour.de

Populismus und Demoktratie in der Stadt (PODESTA) 

Projektleitung: Dr. Peter Bescherer (Koordination), Dr. Robert Feustel

Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Projektlaufzeit: 2017–2020

weitere Infos zum Projekt: www.podesta-projekt.de

 

Weitere Forschungsvorhaben

Perspektiven der Mitbestimmung in Ganzheitlichen Produktionssystemen

Die Bemühungen um eine humanisierte und verstärkt selbstverantwortliche Arbeit, die in den 1980er und 1990er Jahren verbreitet waren, sind heute zu großen Teilen in Ganzheitliche Produktionssysteme (GPS) eingemündet. Diese Systeme nutzen die neuen Möglichkeiten informationstechnischer Steuerung und gelten - ausstrahlend von der Automobilindustrie - zunehmend als avancierteste Form, betriebliche Prozesse zu erfassen und zu optimieren. Die Hoffnungen, gestalterische Kompetenzen und Selbstverantwortung der Beschäftigten auszuweiten, sind dabei jedoch nur begrenzt zum Zug gekommen. GPS scheinen vielerorts v.a. Leistungsdruck zu erhöhen, nicht jedoch Mitwirkungschancen, und statt das implizite Wissen der Beschäftigten aufzuwerten, sind sie eher auf seine Extraktion und Zentralisierung angelegt. Die Forschungsgruppe untersucht auf wissenssoziologischer Grundlage und in praktischer Perspektive, inwieweit es möglich ist, den Ansatz produktiver Mitbestimmung in GPS neu zur Geltung zu bringen.

Im Einzelnen sind ihre Ziele:

  1. a) die aktuelle Bedeutung von GPS für die Gestaltungsmöglichkeiten der Beschäftigten zu identifizieren,
    b) den veränderten Status von Beschäftigtenwissen und -kompetenzen im Rahmen von GPS zu erfassen, und
    c) Perspektiven sowie anwendbare Instrumente weitergehender Demokratisierung zu entwickeln.

Die Grundidee ist dabei, dass erweiterte betriebliche Selbstreflexion immer zwei Seiten hat. Techniken, mit denen Arbeit und Kommunikation tiefenscharf kontrolliert werden, könnten auch Beschäftigte in die Lage versetzen, fortlaufend ihr Aufgabenfeld zu gestalten, über dessen Rahmen mit zu entscheiden und Arbeitsanforderungen mit ihrer Lebensführung zu koordinieren. Das Vorhaben ist methodisch explorativ angelegt und soll neue Impulse ins untersuchte Feld tragen. Dazu werden empirische Forschung (schwerpunktmäßig in a), theoriegeleitete Analyse (besonders in b) und die Sondierung neuer praktischer Chancen (besonders in c) verbunden.

#Sozial-ökologische Transformation und (Post-)Wachstumsgesellschaften Inhalt einblenden

Wir erleben derzeit eine Kumulation ökologischer Gefahren, die planetarische Belastungsgrenzen überschreiten oder zu überschreiten drohen. Diese Herausforderungen sind nicht von grundlegenden Fragen des Wachstums und der kapitalistischen Akkumulationsdynamik zu trennen und sie sind eng mit sozialen Fragen und Ungleichheiten verwoben. In diesem Schwerpunkt wird deshalb der Zusammenhang von ökologischen und sozialen Problemen erforscht und das Wirtschaftswachstum in seinen sozizio-kulturellen, ökologischen und politischen Implikationen in den Blick genommen. Die Analyse des Abflachens ökonomischer Wachstumsraten in den früh industrialisierten Ländern bei hoher Dynamik aufholender Hochwachstumsgesellschaften (v.a. China und Indien) spielt in diesem Forschungsschwerpunkt eine ebenso zentrale Rolle wie die Untersuchung konkreter, nachhaltiger alternativer Ökonomien oder mit der Energiewende verbundener Herausforderungen. In Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig werden insbesondere gesellschaftliche Widersprüche in Prozessen der Nachhaltigkeitstransformation untersucht - unter besonderer Berücksichtigung von zu erwartenden Konflikten, Polarisierungen und so genannten "Fake News" (z.B. Leugnung des Klimawandels).

Geförderte Forschungsprojekte

DFG-Kolleg-Forschergruppe Postwachstumsgesellschaften: "Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung, Dynamik und (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften"

Antragsteller:
Prof. Dr. Klaus Dörre, Prof. Dr. Stephan Lessenich, Prof. Dr. Hartmut Rosa


Geschäftsführung:
Dr. Karina Becker, Wissenschaftliche Leitung
Christine Schickert, Organisatorische Leitung und Öffentlichkeitsarbeit
Ilka Scheibe, Assistentin der Geschäftsführung

Förderung: DFG

Laufzeit: Oktober 2011 - September 2019

Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen:
Dr. Dennis Eversberg, Arbeitsschwerpunkte: Macht- und Subjektivitätsanalyse, Arbeits- und Arbeitsmarktsoziologie, politische Soziologie, Gewerkschaftsforschung, Kapitalismusforschung
Steffen Liebig, M.A., Arbeitsschwerpunkte: Wirtschaftssoziologie, Konfliktsoziologie, Kapitalismustheorie(n), Herrschaftssoziologie
Hanna Ketterer, MPhil, Arbeitsschwerpunkte: Grundeinkommensforschung, Freiwilligenforschung, Gesellschaftstheorie, Arbeitssoziologie.
Benjamin Seyd, Arbeitsschwerpunkte: Theorie und Soziologie der Gefühle, Wissenssoziologie, Theorien des Politischen und der Globalisierung, Populismus

weiter Infos zum Projekt: www.kolleg-postwachstum.de 

 

Sozial-ökologische Widersprüche kapitalistischer Landnahme: Das Beispiel der Holz- und Wasserwirtschaft in Südchile
 
Projektleitung: Prof. Klaus Dörre, Dr. Stefan Schmalz

Förderung: DAAD

Laufzeit: 01.04.2015  - 31.12.2019

weitere Infos zum Projekt: http://www.patagonia.uni-jena.de/

Nachwuchsgruppe: Mentalitäten im Fluss

Projektleitung: Dr. Dennis Eversberg

Förderung: BMBF

Laufzeit: 2019-2024

weitere Infos zum Projekt hier

Nachwuchsgruppe: Globale Ungleichheiten und sozial-ökologischer Wandel

Projektleitung: Dr. Maria Backhouse

Förderung: BMBF

Laufzeit: 1.7.2016 bis zum 30.06.2021

weitere Infos zum Projekt: https://www.bioinequalities.uni-jena.de/

#Zeit-, Subjekt- und Weltverhältnisse im Wandel Inhalt einblenden

In diesem Forschungsschwerpunkt stehen die Subjekte und ihre Vergesellschaftung unter spätmodernen Bedingungen im Zentrum. Hier werden Fragen der Subjektivierung unter Bedingungen einer aktivierenden Sozial-, Arbeitsmarkt- und Gesundheitspolitik ebenso untersucht wie die gesellschaftlichen und individuellen Konsequenzen einer zunehmend beschleunigten Arbeits- und Lebenswelt oder das Phänomen sozialer Erschöpfung (Stichwort 'Burnout'). Auch die grundlegende Frage, wer überhaupt als soziales Subjekt akzeptiert wird, ist Gegenstand dieses Schwerpunkts und strukturiert die Beschäftigung mit sozialen Kämpfen gegen die Ausgrenzung und Diskriminierung bestimmter Subjektpositionen (z.B. von so genannten 'Hartzern' oder von Transgender-Personen). Mit Blick auf Zeitverhältnisse wird untersucht, inwiefern sich das gesellschaftliche Zeitverständnis oder typische Muster der Zeitverwendung wandeln. Als Weltverhältnisse werden schließlich die Beziehungen der Subjekte zu ihrer Umwelt analysiert, verbunden mit der Frage, unter welchen Bedingungen Menschen ein resonantes Weltverhältnis realisieren.

Geförderte Forschungsprojekte

Sprachliche Appräsentationen materialer Zeiterfahrung. Das Verhältnis dingästhetischem und sozialem Sinn in Zeitmetaphern

Leitung: Prof. Dr. Hartmut Rosa, Universität Jena, Lehrstuhl für allgemeine und theoretische Soziologie

Laufzeit: 01.02.2017-31.01.2020

Förderung: DFG im Rahmen des Schwerpunktprogramms 1688 "Ästhetische Eigenzeiten"

weitere Infos zum Projekt hier

Weitere Forschungsvorhaben

PD Dr. Stefanie Graefe, Arbeitsbereich Politische Soziologie: Forschung zu Resilienz

Mit dem Thema arbeitsbedingte Erschöpfung und der gesellschaftlichen Debatte um die steigende Zahl stressbedingter Erkrankungen beschäftige ich mich schon seit einigen Jahren. Besonders interessiert mich dabei die uneindeutige „Natur“ der Erschöpfung – sie ist ebenso ein gesellschaftlicher Diskurs, der mit Prozessen der so genannten „Therapeutisierung des Sozialen“ in Zusammenhang steht, wie eine Konsequenz der spezifischen und oftmals belastenden Anforderungen, die aus flexibilisierten Arbeits- und Lebensverhältnissen resultieren. Interessanterweise taucht seit einiger Zeit ein neuer Begriff auf, der nicht nur einen Ausweg aus Stress und Überlastung zu versprechen scheint, sondern sich zugleich als Lösungskonzept für gesellschaftliche Probleme aller Art anbietet: Resilienz. Gemeint ist damit eine flexible Widerstandsfähigkeit, die unterschiedlichste soziale und natürliche Akteure mit einer Art Immunschutz gegen die krisenförmige Gegenwart auszustatten scheint. Mich interessieren die konzeptionellen und normativen Implikationen des Resilienzkonzeptes: Ist das resiliente Subjekt ein Gegenentwurf zu jenem „erschöpften Selbst“ (Alain Ehrenberg), das für den flexiblen Kapitalismus so typisch zu sein scheint? Meine Überlegungen erscheinen in Form eines längeren Essays im Herbst im transcript-Verlag:

 https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-4339-8/resilienz-im-krisenkapitalismus/

Und hier noch einmal unsere Arbeitsbereiche...

Marx/Simmel
Allgemeine und Theoretische Soziologie
Menschliches Handeln und soziale Strukturen
Industrie
Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie
Wandel der Arbeitsgesellschaft
Bildungstrichter Folie26-2
Methoden der empirischen Sozialforschung und Sozialstrukturanalyse
Quantitative Methodenausbildung und Weiteres
AB Titelbild
Qualitative Methoden und Mikrosoziologie
Qualitative Methodenausbildung und Weiteres
Stählernes Gehäuse
Wissenssoziologie und Gesellschaftstheorie
Bedingungen und Wirkungsweisen gesellschaftlichen Wissens
Bildungsstreik 2009
Politische Soziologie
Verhältnis von Politik, Ökonomie und Gesellschaft
Windmühlen
Umweltsoziologie
In Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
Sawmill
Mentalitäten im Fluss (Nachwuchsgruppe)
Hier finden Sie Informationen zur BMBF-Nachwuchsgruppe ...
Bioeconomy Policies Around the World
Bioökonome und soziale Ungleichheiten. (BioInequalities)
Hier finden Sie Informationen zur BMBF-geförderten Nachwuchsgruppe ...

...sowie unsere DFG-Kollegforscher*innengruppe

Humboldtstraße 34
Kolleg Postwachstumsgesellschaften
DFG-Forschergruppe
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