Forschung

Aktuelle Forschungsprojekte Inhalt einblenden
Engage Foto: AB Politische Soziologie

"Neue Kultur des Helfens oder Schattenökonomie? Engagement und Freiwilligenarbeit im Strukturwandel des Wohlfahrtsstaats"
Forschungsprojekt gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung, Laufzeit April 2017 bis März 2020
Projektleitung: Prof. Dr. Silke van Dyk und Dr. Tine Haubner | Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Laura Boemke | Studentische MitarbeiterInnen: Manuel Jaeschke, Franziska Wiest

Im Zuge der Restrukturierung hin zum aktivierenden Sozialstaat, forciert durch die Krise der Staatsfi-nanzen und eine Krise sozialer Reproduktion, gewinnt das sorgende Potenzial unbezahlter Arbeit - auch jenseits familiärer Kontexte - (sozial-)politisch an Bedeutung. In Zeiten, da immer weniger Frauen ganztägig als "heimliche Ressource der Sozialpolitik" (Beck-Gernsheim 1991: 66) zur Verfü-gung stehen, wird zunehmend die moralische Pflicht zur gemeinwohldienlichen Aktivität aller SozialstaatsbürgerInnen proklamiert. Angesichts der empirisch gut belegten, politischen Adressierung von Engagement und Freiwilligenarbeit als neuer Produktivitätsressource interessiert uns, inwiefern konkrete Aktivitäten staatlicherseits für eine subsidiäre Daseinsfürsorge in Dienst genommen werden und wie diese Konstellation von Engagierten wie 'HilfsempfängerInnen' erlebt, gedeutet und gestaltet wird.
Während es an übergreifenden Zeitdiagnosen sowie an Fallstudien zu einzelnen Engagementfeldern nicht mangelt, fehlt es an wohlfahrtsstaatstheoretisch fundierten, empirischen Analysen, die die Inanspruchnahme unbezahlter oder geringfügig entschädigter Arbeit in unterschiedlichen Feldern in den Blick nehmen und ihre materielle wie symbolische Funktion im Wohlfahrtsmix vergleichend eruieren. Ausgehend von einer Rekonstruktion der institutionellen und diskursiven Rahmenbedingungen von Engagement und Freiwilligenarbeit im aktivierenden Sozialstaat, sollen im Forschungsvorhaben entlang der drei empirischen Säulen 'Flüchtlingshilfe', 'Pflege' und 'kommunale Infrastruktur' explorative Fallstudien in Baden-Württemberg und Berlin/Brandenburg durchgeführt werden, die eine im Vergleich geschärfte Analyse der Funktionsmechanismen und Nutzungspraktiken in den ver-schiedenen Engagementfeldern ermöglichen.
Das Vorhaben zeichnet sich durch die Verschränkung von drei Analyseebenen aus, die in der Forschung bislang weitgehend unverbunden nebeneinander stehen: Die makrosoziologische Analyse politischer Adressierungen, Institutionen und Policies (Ebene 1), d.h. die Analyse der "Regierung der Freiwilligkeit" (Neumann 2016: 23), wird ergänzt um eine qualitative Interviewstudie mit Engagierten und 'HilfsempfängerInnen', die Mikropolitiken der Freiwilligenarbeit (z.B. mit Blick auf Sinnstiftung, Überforderung oder erlebte Abhängigkeit) in den drei empirischen Säulen in den Blick nimmt (Ebene 2). Hier ist die Frage nach dem Eigensinn - und damit nicht zuletzt nach dem kritischen und widerständigen Potenzial - freiwilligen Engagements im aktivierenden Sozialstaat zentral. Die dritte Analyseebene adressiert die polit-ökonomischen und professionspolitischen Implikationen der Indienstnahme von Engagement und Freiwilligenarbeit, fragt also zusätzlich zu den Mikropolitiken der Freiwilligenarbeit aus Sicht der Akteure nach den materiellen und professionsrelevanten Konsequenzen für die Zukunft von sozialer Daseinsvorsorge und Erwerbsarbeit. Die Zusammenschau aller drei Analyseebenen adressiert die übergreifende Frage, inwiefern das Fördern, Fordern und In-Anspruch-Nehmen von Engagement und Freiwilligenarbeit im aktivierenden Staat zum Vehikel von Informalisierungs- und De-Professionalisierungsprozessen wird. A New Culture of Helping Others or Shadow Economy? Volunteer Labour and Welfare State Transformation in Germany

Interview zum Forschungsprojekt

Über Community-Kapitalismus, helfende Hände und einen Arbeitsmarkt unterhalb des Mindestlohns“ – Emma Dowling und Silke van Dyk im Gespräch mit Friederike Bahl, Online-Beitrag auf: Soziopolis. Gesellschaft beobachten, 14.11.2018.  https://soziopolis.de/beobachten/wirtschaft/artikel/interview/

Publikationen zum Projekt

Silke van Dyk (2019): „Von der Nothilfe zur politischen Ökonomie des Helfens. Flüchtlingshilfe in der Freiwilligengesellschaft“, in Kristina Binner & Karin Scherschel (Hg.), Fluchtmigration und Gesellschaft. Von Nutzenkalkülen, Solidarität und Exklusion, Weinheim/Basel: Beltz Juventa, S. 32-49.

Silke van Dyk & Tine Haubner (2019): „Gemeinschaft als Ressource? Engagement und Freiwilligenarbeit im Strukturwandel des Wohlfahrtsstaats“, in: A. Doris Baumgartner & Beat Fux (Hg.), Sozialstaat unter Zugzwang? Zwischen Reform und radikaler Neuorientierung, Wiesbaden: Springer VS, S. 259-280.

Tine Haubner (2019): "Das soziale Band neu knüpfen? Bürgerschaftliche Sorge-Dienstleistungen im Schatten von Arbeitsmarkt und Sozialstaat",in: Klaus Dörre & Hartmut Rosa (Hg.), Große Transformation? Zur Zukunft moderner Gesellschaften. Sonderband des Berliner Journals für Soziologie, S. 197-210.

Abgeschlossene Forschungsprojekte Inhalt einblenden

"Vom 'verdienten Ruhestand' zum 'Alterskraftunternehmer'? Diskurse und Deutungsmuster des Alters in der aktivgesellschaftlichen Transformation des Sozialstaats" (Teilprojekt im Rahmen des SFB 580 "Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch" der Uni­versitäten Jena und Halle, Förderungsphase 2008-2012; Projektleitung: Silke van Dyk, Stephan Lessenich).

"Zonen des Übergangs. Dimensionen und Deutungsmuster des Alterns bei jungen, älteren und alten Menschen" (Interdisziplinäres Forschungsprojekt im Rahmen des Förderschwerpunktes "Individuelle und gesellschaftliche Perspektiven des Alters" der Volkswagen-Stiftung, Förderphase November 2008 bis November 2011; Projektleitung: Silke van Dyk, Karena Leppert, Stephan Lessenich, Ulrich Otto, Klaus Rothermund und Bernhard Strauß)

Kontinuitäten und Brüche - Tabuisierung und Aufarbeitung. 1922 - 1934 - 2008: Soziologische Wissenschaftsgeschichte aus der Jenaer Perspektive, gefördert durch Prof. Dr. Jan Phillip Reemtsma/Hamburger Institut für Sozialforschung, Laufzeit: April bis Oktober 2008; Projektleitung: Silke van Dyk

Weitere Inhalte am Arbeitsbereich Politische Soziologie

Diese Seite teilen
Die Uni Jena in den sozialen Medien:
Ausgezeichnet studieren:
  • Logo der Initiative "Total E-Quality"
  • Logo des Best Practice-Club "Familie in der Hochschule"
  • Logo des Projekts "Partnerhochschule des Spitzensports"
  • Qualitätssiegel der Stiftung Akkreditierungsrat - System akkreditiert
Zurück zum Seitenanfang