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Genderkommission

Die Genderkommission des Instituts trifft sich mehrmals pro Semester (i.d.R.) im Besprechungsraum des IfS, SR 281 CZS 3.

Neue Mitglieder und/oder Interessierte sind jederzeit herzlich willkommen. Aktuelle Termine können gern unter folgender Adresse erfragt werden:

Kontakt:



Selbstverständnis

Die gender-Kommission des Instituts für Soziologie in Jena wurde im Sommersemester 2010 ins Leben gerufen, um die Sensibilität für die Wirkmächtigkeit der Kategorie gender am Institut zu erhöhen. Anlass war die Kritik einiger Master-Studentinnen, die auf verschiedenen Ebenen ihres Studierendenalltags eine Benachteiligung qua gender erlebten und diese zusammen mit Mitstudenten im Rahmen einer Institutskonferenz (IK) verbalisierten. Die IK reagierte auf die verschiedenen Forderungen, die in der Kritik formuliert wurden, mit der Gründung einer Kommission, die die nachhaltige und langfristige Implementierung von gender-Sensibilität auf verschiedenen Ebenen (Struktur und Inhalte in Studium und Lehre) und mit verschiedenen Mitteln (situative Interventionen, kurzfristige Verbesserungen, nachhaltige Umstrukturierungen) am Institut anstreben sollte.


Im Verlauf der Arbeit der Kommission kam es zu verschiedenen Diskussionen um das Selbstverständnis des Gremiums. Es stellte sich schnell heraus, dass eine Auseinandersetzung ausschließlich mit gender als Strukturkategorie zu kurz greifen würde. Wir verstehen gender als intersektional verschränkte, d.h. zusammen mit weiteren Diskriminierungsmechanismen wirksame Kategorie und sind daher grundsätzlich offen für eine Verhandlung auch weiterer Strukturkategorien, beispielhaft genannt seien hier Klasse, race und (dis)ability. Im konkreten Fall sind wir mit anderen, spezialisierten Stellen in der und um die Universität vernetzt (u.a. Psychosoziale Beratungsstelle des Studierendenwerks, Gleichstellungsbüro der Universität, Schwerbehindertenvertretung der Universität, Gleichstellungsreferat des StuRa) und setzen für die Bearbeitung intersektionaler Anliegen und/oder Probleme auf die Kooperation mit diesen Stellen.


Die Kommissionsgruppe, bestehend aus Studierenden, Lehrbeauftragten und Mittelbau-Angestellten mit und ohne Promotion, versteht sich als Instanz, die ein Bewusstsein für gender als eine Strukturkategorie etablieren möchte, die das Potential und damit Arbeit und Struktur des Instituts und seiner Gremien qualitativ zu verbessern. Die Kommission ist dementsprechend auch als Diskussionsforum am Institut zu verstehen, das der Debatte um Geschlechtergerechtigkeit einen institutionalisierten Rahmen gibt. Derzeitige Wege, diese Diskussion zu motivieren, sind die Etablierung regelmäßiger Workshops für bessere Lehre unter anderem durch Implementierung von gender (sowohl inhaltlich, als auch didaktisch und im Diskussionsverhalten/Kommunikationsstruktur in Studium und Lehre) sowie die Organisation eines Podiums zur Debatte um das für und wider der Ausschreibung von Stellen.

Schwerpunkte

  • Die Besetzung von Stellen: Wir fordern das Institut auf, bei zukünftigen Stellenbesetzungen auf allen (sic!) Ebenen auf eine geschlechterparitätische Verteilung hinzuarbeiten.

Wir fordern mehr Transparenz hinsichtlich der Stellenvergabe und befürworten deshalb generell, dass zu vergebende Stellen öffentlich ausgeschrieben werden. Dabei ist uns bewusst, dass die Nicht-Ausschreibung von Stellen ein gängiges und bisweilen nachvollziehbares Prozedere ist. Die Besetzung einer Stelle mit der_dem bisherigen Stelleninhaber_in oder einer aus dem Arbeitskontext bereits als kompetent erlebten Person kann qualitätssichernd wirken. Für solche internen Besetzungen braucht es unseres Erachtens jedoch gute Gründe, die offen gelegt werden sollten. Eine interne Besetzung sollte also kein automatischer, sondern ein reflektierter Prozess sein.

  • Implementierung von gender in der Lehre: Die ursprüngliche Kritik der Master-Studentinnen motivierte die Durchführung von Workshops für Lehrende und Studierende zum Thema 'gender in der Lehre'. Bei der Initiierung der Workshops für die Dozent_innen des Instituts war insbesondere die Kritik an einer ausschließenden Diskussionskultur in Seminaren wesentlich. Die Kommission setzt sich mit der Etablierung der Workshops für eine gute Lehre (auch über den Schwerpunkt gender hinaus) und der Diskussion (und Anwendung) weiterer Methoden für die Herstellung eines offenen und möglichst gleichberechtigten Gesprächsklimas in Lehrveranstaltungen ein.
  • Sensibilisierung für Belästigung an der Universität: Da auch die Universität kein von Belästigung freier Raum ist, aber diese Problematik bisher nicht ausreichend Beachtung erhalten hat, initiierten wir eine Flyeraktion am Institut, die auf das Problem von Belästigung an der Universität und dem Umgang damit aufmerksam machen sollte. Die Entwicklung des Flyers sowie die uniweite Plakataktion "Stopp bei Belästigung" entstand in Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle des Jenaer Frauenhauses e.V. Der Flyer weist u.a. auf Ansprechpartner in Betroffenensituationen hin und steht zum Download zur Verfügung.

Bisherige Ergebnisse

  • Seit der Gründung der Kommission konnte die Arbeit kontinuierlich fortgeführt werden. Die Genderkommission trifft sich mehrmals pro Semester. Aktuelle Termine werden auf der Homepage veröffentlicht.
  • Die Existenz der Kommission ist mittlerweile allgemein bekannt und mit den Vorträgen in der Institutskonferenz (IK) sowie den Workshops konnte der Ist-Zustand am Institut kritisch sichtbar gemacht werden. Zudem kann bei Teilen der Mitarbeiter_innen eine Sensibilisierung für das Thema, mindestens jedoch die breite Auseinandersetzung damit festgestellt werden.
  • Die Kommission berichtet auf der IK regelmäßig in einem eigenen Tagesordnungspunkt und gibt Rückmeldung über aktuelle Arbeitsprozesse. Die Kommunikation ist damit grundsätzlich etabliert.
  • Es werden an mehreren Arbeitsbereichen regelmäßig Seminare zum Thema gender angeboten. Neben den explizit inhaltlich ausgerichteten Seminaren sollte die gender-Perspektive auch in allen anderen Lehrveranstaltungen eingenommen werden, da es ein Querschnittsthema ist.
  • Explizit genannt seien an dieser Stelle die bereits mehrfach angedeuteten Workshops zur Verbesserung der Lehre: Es fanden vom Institut finanziert und von der Kommission organisiert zwei für die Lehrenden und einer für Master-Studierende des Instituts statt. Zudem soll gender-sensible Kommunikation als Schlüsselqualifikation in das Curriculum implementiert werden. Für das Frühjahr 2017 ist erneut ein Workshop zum Thema gender in der Hochschule angedacht.
  • Zum Ende des Wintersemesters 2011/12 wurden die Strukturen der Kommission im Rahmen einer Klausurtagung professionalisiert. Es existieren seither feste Organisationsstrukturen mit spezialisierten Arbeitsbereichen und einem Tätigkeitsprofil. Ergebnisse der Klausur waren außerdem das neu verfasste Selbstverständnis im Sinne eines Tätigkeitsprofils und der inhaltlichen Ausrichtung der Arbeit, die Gründung des 'Kontakt-Teams', unsere Vernetzungen innerhalb des Instituts und auf Fakultäts- und Universitätsebene sowie die Festlegung unserer zukünftigen Aufgaben.

  • Auch auf der Klausurtagung 2015 gab es eine dezidiert auf gender fokussierte Debatte, bei der mehrere der grundlegenden Themen der Genderkommission weiterbearbeitet wurden: Mitarbeiter_innenstruktur am Institut, work-life-Balance und der Zusammenhang mit der kulturellen Hegemonie des männlich-weißen Typus 'Wissenschaftler' sowie die Verankerung von gender als Lehrinhalt in den Veranstaltungen des Instituts.
  • Es ist als ein Ergebnis der Sensibilisierung für gender zu verstehen, dass am bisher ausschließlich männlich besetzten Theorie-Lehrstuhl mit dem Sommersemester 2012 eine Stelle mit einer Frau besetzt wird. Die Mitarbeiterinnenstelle steht auch, aber nicht nur für theoretische Auseinandersetzung mit gender als Analysekategorie in Lehre und Forschung.
  • Bei der Neubesetzung der W2-Professur "Mikrosoziologie und Qualitative Methoden" mit dem Schwerpunkt Soziologie der Geschlechterverhältnisse hat die Genderkommission maßgeblich Einfluss auf die Denomination  genommen und damit zur inhaltlichen Schwerpunktsetzung im Institut beigetragen. Die Genderkommission war sowohl in dieser Berufungskommission als auch in jenen zur Neubesetzung der Professuren "Quantitative Methoden" und "Politische Soziologie" vertreten.
  • Die universitätsweite Plakataktionpdf_logo Stop bei sexueller Belästigung! hat das Ziel, für das Thema sexuelle Belästigung an der Universität zu sensibilisieren, betroffene Personen zu unterstützen und ihnen Kontaktadressen zu vermitteln, sowie dem Thema insgesamt mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Die Aktion wurde von der Genderkommission des Instituts für Soziologie in Zusammenarbeit mit dem Jenaer Frauenhaus e.V. initiiert und durch den Freistaat Thüringen (Beauftragte für die Gleichstellung von Frau und Mann) gefördert. Begleitend zur Kampagne wurde ein Informationsflyerpdf_logo des Instituts für Soziologie entwickelt, der zum Umgang im Fall von sexueller Belästigung informiert.


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