Readspeaker Menü

Gesellschaftsvergleich und Sozialer Wandel

Herzlich willkommen beim Arbeitsbereich Gesellschaftsvergleich und sozialer Wandel am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Wir beschäftigen uns mit Fragen der Struktur und Dynamik von Staat und Gesellschaft, Kapitalismus und Demokratie in historisch und international vergleichender Perspektive - und mit dem Anspruch nicht allein auf sozialwissenschaftliche Analyse, sondern auch auf kritische Intervention in öffentliche Diskurse und gesellschaftliche Verhältnisse. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie mehr über uns und unsere Arbeit. Wir freuen uns auf Ihr Interesse und Ihre Kritik.


Im Sommersemester vertritt PD Dr. Stefanie Graefe die Professur für Mikrosoziologie an der Universität Kassel. Sprechstunden nur telefonisch (Anmeldung über Evi Bunke).

Ab dem Wintersemester 2015 vertreten Frau PD Dr. Stefanie Graefe und Herr Prof. Dr. Michael Hofmann die Professur Gesellschaftsvergleich und Sozialer Wandel.


Kontakt

PD Dr. Stefanie Graefe
Friedrich-Schiller-Universität
Institut für Soziologie
Carl-Zeiß-Straße 3
07743 Jena
Tel.: +49 (0)3641 9-45550
Fax: +49 (0)3641 9-45552


Prof. Dr. Michael Hofmann
Friedrich-Schiller-Universität
Institut für Soziologie
Carl-Zeiß-Straße 3
07743 Jena
Tel.: +49 (0)3641 9-45550
Fax: +49 (0)3641 9-45552


Ausführliche Weg- und Anfahrtsbeschreibungen finden Sie hier


  • Im Sommersemester vertritt PD Dr. Stefanie Graefe die Professur für Mikrosoziologie an der Universität Kassel. Sprechstunden nur telefonisch (Anmeldung über Evi Bunke). Die Seiten befinden sich derweil im Umbau
  • Ab dem Wintersemester 2015/16 vertritt PD Dr. Stefanie Graefe die Professur Gesellschaftsvergleich und Sozialer Wandel gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Hofmann.

  • Ab dem Wintersemester 2014 vertritt Dr. Stefanie Graefe die Professur Gesellschaftsvergleich und Sozialer Wandel.

  • Neu erschienen: Tina Denninger, Silke van Dyk, Stephan Lessenich, Anna Richter (2014): Leben im Ruhestand. Zur Neuverhandlung des Alters in der Aktigesellschaft. Bielefeld: transcript.pdf_logo


Lehrstuhlinhaber

Telefon
E-Mailadresse
Graefe, PD Dr. Stefanie
9-45571
Hofmann, Prof. Dr. Michael
  9-45575

       
Sekretariat
Bunke, Evi
9-45550
       
Mitarbeiter/innen


Münch, M.A. Anne
  9-45578

Weingärtner, Simon
  9-45550

Sparsam, Dr. Jan (ehemalig)
 

van Dyk, Prof. Dr. Silke (ehemalig)
 





Studentische Hilfskräfte


Gahntz, Christian
  9-45574


Lehrbeauftragte
Becker, Kai Michael   9-45550  
Hollenstein, Oliver
  9-45550
Niederauer, Dr. Martin
  9-45550

Klimmer, Melanie   9-45550

 


 

Barth, Thomas

 
Becker, Kai Michael
       
Becker, Michael
       
Behruzi, Daniel
       
Block, Jenny
     
Bohn, Simon      
Brettschneider, Antonio
       
Denninger, Tina
       
Goes, Thomas
       
Hanemann, Laura
     
Heizmann, Boris
       
Hilse, Theresa
       
Kalff, Yannick
       
Kauppert, Anja  
 
 
Krause, Norbert
     
Krieg, René
     
Michel, Andrea
       
Mlinaric, Martin
       
Möller, Kornelia
       
Münch, Anne      
Neumann, Daniela
       
Ottovay, Kathrin
       
Richter, Anna
       
Schachner, Maja
       
Schauer, Alexandra
       
Schmalstieg, Catharina
       
Schröder, Stefan        
Siegmundt, Julia
       
Unbehend, Mark
       
Weiß, Julia
       
Weyrauch, Philine
     

       

       

Thomas Barth

Staatlichkeit im Wandel: Kritische Staatsanalysen (Seminar)
Mi 10-12, CZS SR 307

Umweltsoziologie und sozialer Wandel (Seminar)
Di 08-10, CZS SR 306

 

Thomas Goes

Interessen, Staat, sozialer Wandel (Seminar)
Blockseminar


Dr. Stefanie Graefe

Bilder des 'Ostens' und des 'Westens': Gesellschaftsbilder in der Retrospektive (Lehrforschung) zusammen mit Prof. Dr. Stephan Lessenich
Di 10-14, ABS SR 116

Lust und Liebe in der (Post-)Moderne (Seminar)
Mo 16-18, CZS SR 208


Oliver Hollenstein, M. A. 

Schneller, lauter, prekärer. Sozialer Wandel und Medienkrise (Seminar)
Blockseminar


Melanie Klimmer, M. A.

Pflege in der alternden Gesellschaft
Blockseminar


Prof. Dr. Stephan Lessenich

Gesellschaftsvergleich und sozialer Wandel (Vorlesung)
Do 12-14, CZS HS 3

Bilder des 'Ostens' und des 'Westens': Gesellschaftsbilder in der Retrospektive (Lehrforschung) zusammen mit Dr. Sefanie Graefe
Di 10-14, ABS SR 116


Anna Richter

Intersektionalität - Theorien und Forschungsfelder (Seminar)
Blockseminar

 

Alexandra Schauer

Genuss und Gesellschaft (Seminar)
Mo 14-18, 14-tägig


Alter(n) als Zukunft. Zukunftsbezogenes Alternshandeln in kulturvergleichender Perspektive

Frieder R. Lang (Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Psychogerontologie), Klaus Rothermund (Universität Jena, Institut für Psychologie) und Stephan Lessenich (Universität Jena, Institut für Soziologie)
Förderinstitution: VolkswagenStiftung
Laufzeit: 3 Jahre

Weitere Infos zum Projekt: hier


 


Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung

Dynamik und (De-)Stabilisierung moderner Wachstumsgesellschaften


Projektleitung: Klaus Dörre, Stephan Lessenich und Hartmut Rosa
Förderinstitution: Deutsche Forschungsgemeinschaft
Laufzeit: 4 Jahre

 

Die Kolleg-Forscher(innen)gruppe soll die Wechselbeziehungen zwischen dynamischer Selbststabilisierung und den Legitimationsmechanismen moderner Gesellschaften analysieren. In dem auf acht Jahre angelegten Forschungsprogramm werden folgende vier Leitfragen bearbeitet: Was bedeutet der Übergang zu Nicht-Wachstum für die Organisation gesellschaftlicher Arbeit und die Funktion sozialer Konflikte? Kann die Abkehr vom Wachstumsparadigma mit einem Zugewinn an Lebensqualität für gesellschaftliche Mehrheiten einhergehen? Was impliziert der Übergang zu Nicht-Wachstum für die Struktur sozialer Ungleichheit, für sozialpolitische Interessenlagen und die Regulationsfähigkeit entwickelter Wohlfahrtsstaaten? Und nicht zuletzt: Kann der Übergang zu Post-Wachstumsgesellschaften demokratisch bewältigt werden?



Vom "verdienten Ruhestand" zum "Alterskraftunternehmer"? Bilder und Praktiken des Alter(n)s in der aktivgesellschaftlichen Transformation des deutschen Sozialstaats nach der Vereinigung

Silke van Dyk und Stephan Lessenich im Rahmen des SFB 580
Laufzeit: 01.07.2008-30.06.2012

Das Projekt untersucht den gesellschaft­lichen (Be-)Deutungs­wandel des "dritten Lebens­alters" im Zeichen des demographischen und wohlfahrtsstaatlichen Wandels nach 1989/90. Die systematische Analyse politisch-medialer Diskurse soll zunächst die Frage klären, in welcher Weise "das Alter" mit neuen Vorstellungen und Erwartungen von Aktivität und Pro­duktivität verbunden wird. In einem zweiten Schritt wird auf der Grundlage von Interviews im Ost­-West-Vergleich erforscht, ob und inwiefern die Subjekte entspre­chen­de Altersbilder in ihren Selbstdeutungen und Alltagspraktiken aufnehmen, reflektieren und verarbeiten. Die leitende Hypothese lautet, dass auch 20 Jahre nach dem System­umbruch im inner­deutschen Vergleich bedeutsame Unterschiede der sozialen Konstruktion des "Alters" zu erwarten sind.

Das geplante Projekt fragt im innerdeutschen Ost-West-Vergleich nach dem gesellschaft­lichen (Be-)Deutungs­wandel des "dritten Lebensalters" im Zeichen des demographischen Umbruchs und aktueller wohlfahrtsstaatlicher Transformationsprozesse. Die Anlage des Pro­jekts basiert auf der Vermutung, dass der gegenwärtig sich vollziehende Umbau des Sozial­staats in "aktivierender" Absicht auch das "dritte Lebensalter" mit neuartigen programma­tischen und institutionellen Anfor­derungen konfrontiert. Anhand der systematischen Analyse politisch-medialer Diskurse wird deshalb zunächst untersucht, inwieweit und in welcher Weise "das Alter" im öffentlichen Raum mit neuen gesellschaftlichen Vorstellungen und Erwartungen von Aktivität und Produktivität verbunden wird. Darauf aufbauend wird sodann danach gefragt, ob und inwiefern die Subjekte - vornehmlich also "die Alten" selbst - entsprechende Vorstellungen und Erwartungen in ihren Selbstdeutungen und Alltagspraktiken aufnehmen, reflektieren und verarbeiten. Die Selbstbeschreibungen der Subjekte werden dabei einerseits im Hinblick auf ihre Korrespondenz mit dem analysierten Altersdiskurs untersucht, andererseits mit den nach Aktivitätsdimensionen differenzierten, effektiven Tätig­keitsmustern der Befragten kontrastiert. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht somit die Frage nach der sozialen Akzeptanz bzw. nach dem - möglichen und tatsächlichen - gesellschaftlichen "Erfolg" der vermuteten Neuverhandlung des dritten Lebensalters.

In dieser Hinsicht vermuten wir einerseits, systematische Differenzen zwischen West- und Ostdeutschland finden zu können. Während bei der älteren Generation im Westen - wenn auch mit signifikanten geschlechtsspezifischen und sozialstrukturellen Abweichungen - von der kulturellen Prägekraft der Institutionalisierung des "Ruhestands" im bundesdeutschen Sozialstaat auszugehen ist, vermuten wir für die älteren Menschen im Osten angesichts ihrer Erfahrungen mit Formen staatlich organisierter Altersaktivität in der DDR sowie mit der sozialpolitischen Frühverrentungspraxis westdeutschen Musters in den Jahren nach der "Wende" durchaus ambivalente Dispositionen gegenüber aktivgesellschaftlichen Anrufungen. Andererseits wollen wir der Frage nachgehen, ob sich die soziale Akzeptanz aktivischer Altersbilder eher bei jüngeren als bei älteren Menschen herstellt - und die Erfolgsaussichten einer alterspolitischen Aktivierungsprogrammatik daher womöglich im Zeitverlauf zunehmen. In Ergänzung des Ost-West-Vergleichs planen wir demgemäß einen Kohortenvergleich, bei dem neben nicht-(mehr-)erwerbstätigen 60- bis 70-Jährigen auch 40- bis 50-jährige Angehörige der "Babyboomer"-Generation befragt werden.

Die Anlage des Teilprojekts fügt sich ein in die übergreifende, die Forschungen des SFB 580 in seiner dritten Förderungsphase anleitende Frage nach dem Umgang institutioneller und individueller Akteure im Osten und Westen Deutschlands mit zwar immer noch, mittlerweile aber nur mehr mittelbar und vermittelt transformationsbedingten Herausforderungen "zweiter Ordnung". Es schließt, gemeinsam mit den Teilprojekten C5 und (in der neuen Förderungs­phase) C6, mit seinem Blick auf die Nacherwerbsphase die bisherige Forschungslücke des SFB am "oberen Ende" des Lebenslaufs sozialer Akteure. Zudem bildet es, mit seinen Fragen nach dem Umgang der Akteure mit gestiegenen Anforderungen an individuelle Selbst­steuerung im Transformations­prozess sowie nach dem Zusammenspiel der reflexiven Selbst­deutungen der Subjekte mit ihren vorbewusst-latenten Habitualisierungen, einen inhaltlichen und methodischen Forschungs-"Cluster" mit den diesbezüglich ähnlich gelagerten Teilpro­jekten B9, C3 und C4.

Zonen des Übergangs. Dimensionen und Deutungsmuster des Alterns bei jungen, älteren und alten Menschen

Stephan Lessenich, Silke van Dyk, Stefanie Graefe, Evelyn Hochheim. Gemeinsames VW-Projekt mit Karena Leppert, Ulrich Otto, Klaus Rothermund, Bernhard Strauß
Laufzeit: 15.11.2008 - 14.11.2011

Im Zeichen der sich ankündigenden altersstrukturellen Umbrüche in den fortgeschrittenen Industriegesellschaften und des aktuellen "aktivierenden" Umbaus des Sozialstaats vollzieht sich eine gesellschaftliche Neuverhandlung des Alters und der Rolle der Alten. Die "Entdeckung" des jungen, aktiven und produktiven Alters impliziert eine verschärfte Abgrenzung desselben zum (in der individuellen Biographie "nach hinten" verschobenen) alten, abhängigen und pflegebedürftigen Alter und führt so zu einer mit stark gegensätzlichen Bildern, Zuschreibungen und Erwartungen verbundenen "Zweiteilung" des Alters. Ziel des geplanten Projektes ist es, die gängigen Vorstellungen und Grenzziehungen des "dritten" und "vierten" Lebensalters mit den empirisch vorfindbaren, subjektiven Wahrnehmungen und Deutungen von Altersübergängen zu kontrastieren.

Die Befragung junger, älterer und alter Menschen soll Aufschluss geben über (a) die individuellen und sozialstrukturellen Prägungen von subjektiven Vorstellungen des Übergangs ins höhere bzw. hohe Alter, (b) die für die subjektive Deutung der Übergänge relevanten Erfahrungsbereiche des Alterns und (c) die Dynamiken der Veränderung subjektiver Alters- und Altersübergangsbilder. Wir erwarten, statt klarer Altersgrenzen identifizierbare "Zonen des Übergangs" in den subjektiven Konstruktionen der Betroffenen ausmachen zu können. Dabei erlaubt es die Einbeziehung auch jüngerer Menschen - der so genannten Babyboomer als "zukünftig Alte" - in die Untersuchung, deren alternsbezogene Erwartungen mit den Übergangserfahrungen älterer Kohorten in Beziehung zu setzen und somit die subjektiven Perspektiven des "Alt-Seins" und "Alt-Werdens" systematisch miteinander zu verschränken. Diese Anlage des Forschungsvorhabens soll es ermöglichen, wissenschaftlich relevante Erkenntnisse zu gewinnen, die zugleich von hohem Wert für die zukünftige politisch-soziale Gestaltung des Alters und Alterns sind: Sie bieten Anknüpfungspunkte für gestaltende Interventionen an dessen "unteren" Ende (mit Blick auf die Einmündung der großen Babyboomer-Kohorten in das höhere Alter) ebenso wie an seinem "oberen" Rand (mit dem Ziel einer gelungenen Lebensführung der nicht bzw. nicht mehr aktiven und autonomen Alten).

Die Durchführung des Projekts erfolgt durch eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die Expertise auf dem Gebiet der soziologischen, psychologischen, psychosozialen und sozialpädagogischen Altersforschung in sich vereint. Diese Zusammensetzung der Projektgruppe erlaubt es, empirisch (a) ein breites Feld von Dimensionen der subjektiven Alternserfahrung (über die "klassischen" Bereiche von Erwerbsarbeit und Gesundheit hinaus auch jene von Körper, Konsum, nicht-erwerbsförmigen Tätigkeiten und sozialen Netzwerken) sowie (b) die subjektiven Altersbilder von jüngeren, älteren und hochaltrigen Menschen (Geburtskohorten 1960-1970, 1940-1950 und 1920-1930) gleichermaßen in den Blick zu nehmen und aufeinander zu beziehen. Zugleich ist es dadurch möglich, ein dem Untersuchungsgegenstand angemessenes Mehrmethodendesign anzuwenden. So sollen bei insgesamt ca. 100 Probanden und Probandinnen zum einen problemzentrierte, leitfadengestützte Interviews mit biographisch-narrativen Bestandteilen geführt werden und zum anderen standardisierte Instrumente zur Erhebung von Altersstereotypen und Resilienz der Befragten zum Einsatz kommen. Durch diese Methodenkombination sowie durch eine besondere Sorgfalt bei der Entwicklung und iterativen Verbesserung der Erhebungsinstrumente erwarten wir ebenso wissenschaftlich innovative wie gesellschaftspolitisch relevante Erkenntnisse zur gesellschaftlichen Neubestimmung des Alters aus der Sicht der Betroffenen gewinnen zu können.

Zur Konstruktion des produktiven und aktiven Alters. Theoretische Perspektiven auf die Neuverhandlung einer Lebensphase

Habilitationsprojekt von Silke van Dyk
Bearbeitungszeitraum: ab Herbst 2007

Ziel des Habilitationsprojektes ist es, die Analyse der in den Industrienationen populären "Neu-Verhandlung des Alters als aktives und produktives Alter", die sich an der Schnittstelle von Alterssoziologie und Wohlfahrtsstaats- bzw. sozialer Aktivierungsforschung bewegt, theoretisch zu fundieren. Hintergrund dieses Projektes ist eine weitgehende theoretische Abstinenz der deutschsprachigen Gerontologie, die in einer Entproblematisierung der Altersaktivierung als 'win-win-Situation' mündet sowie eine Analyse aktivgesellschaftlicher Mobilisierung, die allein auf die erwerbsfähige Bevölkerung fokussiert.

Im Sinne eines Theorieimports wird zum einen auf theoretische Ansätze aus der angelsächsischen Gerontologie zurückgegriffen, die im deutschsprachigen Raum bislang kaum rezepiert werden. Zu nennen sind hier insbesondere die Political Economy of Ageing, die Cultural Gerontology, die Foucauldian Gerontology, postmodern konturierte Analysen zu Körper und Konsum sowie Ansätze aus der feministischen Gerontologie. Gemeinsam ist diesen so unterschiedlichen theoretischen Ansätzen, dass sie entgegen des gerontologischen Mainstreams nicht auf bio-medizinische Modelle und die individuelle Bewältigung des Alters fokussieren, sondern sich den Prinzipien seiner individuellen und gesellschaftlichen Konstruktion zuwenden. Hier liegt theoretisches Potential, um den Konstruktionsprozess des aktiven und produktiven Alters in seinen unterschiedlichen Dimensionen, Implikationen und Kontexten zu erfassen. Zum anderen sollen theoretische Perspektiven der kritischen Aktivierungsforschung - so insbesondere arbeitssoziologische Ansätze zu Subjektivierung sowie gouvernementalitätstheoretische Analysen im Anschluss an Foucault - für die Analyse der Altersaktivierung nutzbar gemacht werden. Es wird darum gehen, die von diesen Ansätzen (in unterschiedlicher Weise) herausgearbeitete Ambivalenz von Ermöglichung und Disziplinierung, von Autonomie und 'Zurichtung' für das spezifische Feld der Altersaktivierung neu zu diskutieren und empirisch zu schärfen. In diesem Zusammenhang wird auch zu klären sein, inwiefern und unter welchen (theoretischen) Bedingungen die Altersaktivierung in die 'allgemeine' Aktivierungsforschung zu integrieren ist. Von zentraler Bedeutung ist hier die Frage, ob und inwiefern die starke Verankerung eines defizitorientierten Altersbildes, das sich nicht zuletzt in einer alltäglichen wie strukturellen Altenfeindlichkeit materialisiert, neue Perspektiven auf die skizzierte Ambivalenz eröffnet - wird Aktivität doch als Gegenmodell zur Defizitperspektive diskutiert und wahrgenommen.

Und nicht zuletzt bietet die theoretische Geschlechterforschung zahlreiche - und von wenigen Ausnahmen bislang weitgehend ungenutzte - Anknüpfungspunkte für eine theoretische Fundierung der Neuverhandlung des Alters. Die Debatten um Gleichheit und Differenz, die Sensibilisierung für einen strukturellen Androzentrismus, Ansätze zur Dekonstruktion von Zweigeschlechtlichkeit sowie Analysen zu Sexismus und Geschlechterhierarchien sind in hohem Maße instruktiv, ohne dass damit eine 'analoge' Anwendung angedacht oder präjudiziert wäre. Angestrebt ist vielmehr eine theoretische Re-Formulierung von Ansätzen und Konzepten im Lichte der Analyse des (aktiven) Alters.

In diesem Sinne wird es im Rahmen des Projektes nicht allein um einen 'Theorieimport' seitens der Alterssoziologie gehen, sondern auch um die Frage, inwiefern die soziologische Altersforschung zu 'exportieren' in der Lage ist, inwiefern sie also zur Theoriebildung in der 'allgemeinen' Soziologie beitragen kann. Dies ist bislang - wie Martin Kohli zu Recht moniert - nicht der Fall, wobei auch hier gilt, dass (wenige) Ausnahmen die Regel bestätigen. Angedacht ist in diesem Zusammenhang insbesondere eine theoretische Neujustierung der Diskussionen um Gleichheit und Differenz: Die Tatsache, dass das Alter - im Gegensatz zum konkreten Geschlecht - zuverlässig von allen Menschen 'durchlaufen' wird und dass die Maximen eines aktiven und produktiven Alters der mittleren Lebensphase entliehen sind, dürfte neue Anregungen für diese Debatte liefern. Weiterhin kann und soll das Projekt einen Beitrag zur Intersektionalitätsforschung leisten, im Rahmen derer das Alter bislang - insbesondere im Vergleich zu den Kategorien Gender und Ethnizität - theoretisch wie empirisch vernachlässigt wird. Und schließlich ist geplant, am Beispiel der Verdrängung der Todesnähe durch die Konstruktion eines aktiven und produktiven Alters Anschlussstellen einer sozialkonstruktivistischen Forschung an die Sozialanthropologie auszuloten.

Das Grundeinkommen in der gesellschaftspolitischen Debatte

Expertise für die Friedrich-Ebert-Stiftung von Stephan Lessenich sozioökonomischen Konstellation strukturell verfestigter Langzeitarbeitslosigkeit, flexibilisierter Beschäftigungsverhältnisse und zunehmender Unsicherheit der Existenzsicherung widerspiegeln, haben in jüngster Zeit einer alten Idee neuen Auftrieb gegeben: der Idee des Grundeinkommens. In dem Maße, wie die Notwendigkeit eines nachhaltigen Umbaus des sozialstaatlichen Arrangements der Nachkriegszeit unabweisbar geworden und zugleich die gesellschaftliche Akzeptanz innovativer Vorschläge einer Umgestaltung der sozialen Sicherungssysteme gestiegen ist, wurde die Grundeinkommensidee in der öffentlichen politischen Debatte wiederbelebt. In ihrer neueren Geschichte ein Kind liberaler Ökonomen, das in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von libertären Sozialwissenschaftler(inne)n adoptiert und "resozialisiert" wurde, ist diese Idee hierzulande in den vergangenen Jahren auch von ehedem undenkbaren (und systemüberwindender Sehnsüchte unverdächtigen) Protagonisten wie Ministerpräsidenten und Unternehmern lanciert worden. Die Idee des Grundeinkommens hat dadurch eine neuartige gesellschaftliche Prominenz erlangt - ohne dass das souveräne Publikum demokratischer Politik wüsste, was sich hinter ihr (und ihren verschiedenen Varianten) "wirklich" verbirgt.

Die Expertise soll dazu beitragen, die Debatte um das Grundeinkommen in strukturierte und damit gesellschaftspolitisch produktive Bahnen zu lenken. Es wird zum einen darum gehen, das wissenschaftlich-politische Feld einer im Prinzip einfachen Idee - eines jedem Mitglied des politischen Gemeinwesens bedingungslos, d.h. unabhängig von Arbeitsleistung, Bedürftigkeitsprüfung oder Haushaltskonstellation, zu gewährenden Einkommens - theoretisch abzustecken und, mit Blick auf verschiedene Varianten der Idee, in seiner rasch zu Tage tretenden konzeptionellen Komplexität zu vermessen. Zum anderen sollen die Grundeinkommensidee und deren Variationen in Beziehung gesetzt werden zur Konzeption des "vorsorgenden Sozialstaats", wie sie derzeit von der Sozialdemokratie als zukunftsweisendes Konzept sozialpolitischer Gestaltung diskutiert wird.

Die Grundidee der Expertise und des zu ihr führenden Diskussionsprozesses ist das dialogische Prinzip: Es wird darum gehen, Personen und deren Positionen - "real" im Rahmen von Workshops und "virtuell" in Form von Texten - in systematischer Form miteinander kommunizieren zu lassen. An der Schnittstelle von Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik soll es auf diese Weise möglich werden, wissenschaftliche Wissensbestände zu sichern, politische Kontroversen auszutragen und wissenschaftlich-politische Konzeptionen fortzuentwickeln.

Netzwerk Altersforschung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Im Netzwerk Altersforschung an der FSU, dessen Koordination dem Arbeitsbereich 'Gesellschaftsvergleich und sozialer Wandel' obliegt, sind Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus zahlreichen Disziplinen zusammengeschlossen, die sich mit den Themenkomplexen Alter, Altern und demografischer Wandel beschäftigen. Das disziplinäre Spektrum reicht von der Soziologie, Politik- und Erziehungswissenschaft über die Volkskunde, angewandte Ethik, Altertumswissenschaft, Geographie, Psychologie, psychosoziale Medizin, Sportmedizin bis hin zur Theologie und Gerontopsychiatrie. Im Sommersemester 2007 und im Wintersemester 2007/2008 hat das Netzwerk, das sich als interdisziplinäres Forschungsnetzwerk versteht, eine zweisemestrige Ringvorlesung "Alter(n) und Gesellschaft" organisiert, im Rahmen derer alter(n)sbezogene Forschungsperspektiven und -ergebnisse einer größeren Öffentlichkeit präsentiert wurden. Aktuell wird im Kontext des Netzwerks die Durchführung einer interdisziplinären 'Thüringer Altersstudie' erwogen und diskutiert.

Im Folgenden eine Auswahl der in jüngerer Zeit aus dem Arbeitsbereich hervorgegangenen Veröffentlichungen. Für einen Gesamtüberblick öffnen Sie bitte die PDF-Dateien auf den einzelnen Mitarbeiterseiten.


Leben im Ruhestand  Tina Denninger, Silke van Dyk, Stephan Lessenich, Anna Richter (2014): Leben im Ruhestand. Zur Neuverhandlung des Alters in der Aktivgesellschaft, Bielefeld: transcript.
   
Der Vergleich in den Sozialwissenschaften
Jens Borchert, Stephan Lessenich (2012): Der Vergleich in den Sozialwissenschaften, Frankfurt/New York: Campus. NSU Terror  Imke Schmincke, Jasmin Siri (2013): NSU-Terror. Ermittlungen am rechten Abgrund. Ereignis, Kontexte, Diskurse. Bielefeld: transcript.

Mit einem Beitrag von Stephan Lessenich.

040808536-theorien-des-sozialstaats-zur-einfuehrung Stephan Lessenich (2012): Theorien des Sozialstaats. Zur Einführung. Hamburg: Junius
soziologie-kapitalismus-kritik Klaus Dörre, Stephan Lessenich, Hartmut Rosa (2009): Soziologie - Kapitalismus - Kritik Eine Debatte. Unter Mitarbeit von Thomas Barth.
Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Titel Neuerfindung
Stephan Lessenich (2008): Die Neuerfindung des Sozialen. Der Sozialstaat im flexiblen Kapitalis­mus, Biele­feld: transcript. Titel Party Politics Martin Seeleib-Kaiser; Silke van Dyk; Martin Roggenkamp (2008): Party Politics and Social Welfare: Comparing Christian and Social Democracy in Austria, Germany and the Netherlands, Cheltenham/Northhampton: Edward Elgar.
Titel Prokla 146
Silke van Dyk (2007): Kompetent, aktiv, produktiv? Die Entdeckung der Alten in der Aktivgesellschaft, in: Prokla 146, Jg. 36 (1), S. 93-112.
Titel Deutschland 1
Stephan Lessenich; Frank Nullmeier (Hrsg.) (2007): Deutschland - eine gespaltene Gesellschaft, Frankfurt/New York: Campus 2006 [Lizenzausgabe: Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn].
Titel Clasen_Siegel
Sigrid Leitner; Stephan Lessenich (2007): (In)Dependence as dependent variable: conceptualizing and measuring 'de-familialization, in: Jochen Clasen; Nico Siegel (eds.): Investigating Welfare State Change. The 'Dependent Variable Problem' in Comparative Analysis, Cheltenham/Northhampton: Edward Elgar, S. 244-260.
Titel Konsens Silke van Dyk (2006): Die Ordnung des Konsenses. Krisenmanagement durch Soziale Pakte am Beispiel Irlands und der Niederlande, Berlin: edition sigma.


Silke van Dyk (2006): The Poldermodel and its order of consensus. A Foucauldian perspective on power and discourse in the process of consensus creation, in: Acta Politica, 41 (4), S. 408-429.

 
Titel Grundbegriffe Stephan Lessenich (Hrsg.) (2003): Wohlfahrtsstaatliche Grundbegriffe. Historische und aktuelle Diskurse. Theorie und Gesell­schaft, Band 56, Frankfurt/New York: Campus.
wandel der wohlfahrtstaaten Björn Wagner (2008): Die Vernachlässigung des Sozialen. Gesellschaftliche Konflikte in der postsozialistischen Transformation' in: Klaus Busch (Hrsg.), Wandel der Wohlfahrtsstaaten in Europa, Baden-Baden: Nomos, S. 205-229.










Grundlagenliteratur der Wohlfahrtsstaatsforschung

  • Achinger, Hans (1958): Sozialpolitik als Gesellschaftspolitik. Von der Arbeiterfrage zum Wohlfahrtsstaat. Hamburg: Rowohlt

    Der Klassiker der historisch-soziologischen Sozialpolitikanalyse in deutscher Sprache - bis heute eine Fundstelle wunderbarer, zeitloser Wahrheiten über den Wohlfahrtsstaat.

  • Esping-Andersen, Gøsta (1990): The Three Worlds of Welfare Capitalism. Cambridge: Polity Press

    Ein Instant-Klassiker der international vergleichenden Wohlfahrtsstaatsanalyse von einem Soziologen, der auch die jüngeren sozialpolitischen Reformen in Europa maßgeblich inspiriert haben dürfte.

  • Kaufmann, Franz-Xaver (2005): Soziologie und Sozialstaat: Soziologische Analysen. 2., erw. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften

    Gesammelte Aufsätze des hierzulande wohl wichtigsten Vertreters einer genuin soziologischen Perspektive auf den Wohlfahrtsstaat. Dritte Auflage in Vorbereitung.

  • Leibfried, Stephan/Mau, Steffen (Hrsg.) (2007): Welfare States: Construction, Deconstruction, Reconstruction. 3 vols. Cheltenham: Edward Elgar

    Überzeugend zusammengestellte Auswahl klassischer internationaler Texte zur Wohlfahrtsstaatsforschung. Leider, da prohibitiv teuer, nicht für den schmökernden Hausgebrauch.

  • Lessenich, Stephan (Hrsg.) (2003): Wohlfahrtsstaatliche Grundbegriffe. Historische und aktuelle Diskurse. Frankfurt/New York: Campus

    Eine Sammlung wissenschaftlicher Essays zu den historisch sich wandelnden Semantiken, von denen in gesellschaftlichen Selbstverständigungsdebatten zu Zielen und Effekten des Wohlfahrtsstaates Gebrauch gemacht wurde und wird.

  • Pierson, Christopher (1998): Beyond the Welfare State? The New Political Economy of Welfare. 2 nd ed. Cambridge: Polity Press

    Ein in Aufbau, Systematik und Stil mustergültiges Lehrbuch, wie es im Deutschen leider nicht existiert. Der Autor ist Brite und nicht zu verwechseln mit seinem (bekannteren) US-amerikanischen Namensvetter Paul.