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NaFin - Nachhaltigkeit und Finanzmarkt - institutionelle Arrangements und Perzeptionsmuster

Projektleitung: Prof. Dr. Stefanie Hiß (Jun.-Prof.)
Förderung: VolkswagenStiftung im Rahmen der Förderinitiative Schumpeter-Fellowships
Mitarbeiter/-in: Jakob Kunzlmann, Anna Irmisch (bis 2011), Sebastian Nagel (ab 2012)
Laufzeit: Oktober 2009 - September 2014

Finanzmarkt und Nachhaltigkeit sind zwei Themenbereiche, die in den letzten Jahren erheblich an Aufmerksamkeit gewonnen haben. Der Finanzmarkt bestimmt zunehmend das Leben des Einzelnen und dringt in immer mehr gesellschaftliche Teilbereiche vor. Durch eine wachsende Finanzmarktorientierung ist der Einfluss des Finanzmarkts und finanzmarktlicher Logiken vor allem in der Wirtschaft zu spüren. Eine Unternehmensfinanzierung über den Finanzmarkt erfordert eine Anpassung der Unternehmen an finanzmarktliche Regeln und Institutionen. Ein wichtiges Selektionskriterium des Finanzmarkts ist ökonomische Rentabilität. Je nach Anlageform unterscheidet sich dieses im Hinblick auf einen eher kurz- oder eher langfristigen Anlagehorizont sowie nach der Höhe der Renditeerwartungen. Durch die globale Konkurrenz auf dem Finanzmarkt dominieren dabei gegenwärtig zumeist kurzfristige Strategien der Profitmaximierung.

Auch das Konzept der Nachhaltigkeit hat in den letzten Jahren erhebliche Verbreitung gefunden. Erwachsen aus einem umweltpolitischen Diskurs ist Nachhaltigkeit bis heute zu einer Art gesellschaftlichem Leitbild avanciert. Mit dem "Sozial-Verantwortlichen Investieren" ist Nachhaltigkeit auch auf dem Finanzmarkt angekommen und zu einem zusätzlichen Entscheidungskriterium für Kapitalanlagen geworden. Instrumente wie Indizes, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen oder Intermediäre, wie auf Nachhaltigkeit spezialisierte Ratingagenturen, unterstützen die Vermittlung von Angebot und Nachfrage.

Das Forschungsvorhaben hat das Ziel, dieses noch junge institutionelle Arrangement von Nachhaltigkeit und Finanzmarkt genauer zu beleuchten. Dabei knüpft es an bestehende Studien zum sozial-verantwortlichen Investieren an, geht aber entscheidend über diese hinaus, indem es zum einen eine soziologische Perspektive auf den Untersuchungsgegenstand einnimmt und diesen zum anderen in einen umfassenden gesellschaftlichen Kontext stellt.

Das Forschungsprojekt verhandelt folgende Fragen: Aus einer international vergleichenden Perspektive wird untersucht, wie und warum sich das nachhaltige Finanzmarktsegment in Ländern wie Deutschland, Großbritannien und den USA unterschiedlich entwickelt. Die Mechanismen und Logiken, d.h. die institutionellen Arrangements, die dem nachhaltigen Finanzmarktsegment zugrunde liegen, werden dabei eingehend analysiert. Dazu werden einige Artefakte des nachhaltigen Finanzmarktsegments wie z.B. Rating, Accounting und Aktienindizes untersucht und mit ihren Pendants aus dem konventionellen Finanzmarktsegment verglichen. Als weiteres zentrales Untersuchungsinteresse gilt es zu erforschen, wie zum einen der Finanzmarkt und zum anderen das Konzept der Nachhaltigkeit in die Gesellschaft bzw. in ihre verschiedenen gesellschaftlichen Arenen wie Wirtschaft, Medien, Zivilgesellschaft und Politik eingebettet sind. Wie gehen Unternehmen und Investoren mit den verschiedenen in- und externen Erwartungen, einerseits von Seiten des Finanzmarktes und andererseits im Hinblick auf Nachhaltigkeitsansprüche, um? Alle wissenschaftlichen Ergebnisse werden anhand theoretischer Ansätze und empirischer Befunde aus der Soziologie, der Politik-, Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften, sowie der sozial-ökologischen Nachhaltigkeitsforschung synthetisiert und reflektiert.

Wenn Sie mehr über unsere Forschungstätigkeiten und Publikationen erfahren wollen, nehmen Sie für Fragen und Anregungen gerne direkt mit uns Kontakt auf.

Institutionalisierung von Gemeinwohlinteressen in Unternehmen

Projektleitung: Prof. Dr. Stefanie Hiß (Jun.-Prof.)
Förderung: Gefördert von der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Rahmen von ProChance 2010: Programm zur Förderung der Chancengleichheit von Frau und Mann in der Wissenschaft (Programmlinie A 1: Förderung von Forschungsvorhaben zur Verbesserung der Berufungsfähigkeit)
Mitarbeiter: Sebastian Nagel
Laufzeit: Juli 2011 - Juli 2013


Gegenstand des Forschungsvorhabens ist die Frage nach der Institutionalisierung von Gemeinwohlinteressen in Unternehmen, untersucht an den Beispielen der Verwirklichung von Geschlechtergerechtigkeit und der Eindämmung des Klimawandels. Die dem Vorhaben zugrunde liegende Hypothese lautet, dass die Institutionalisierung von Gemeinwohlinteressen in Unternehmen vor allem von zwei Faktoren abhängig ist: vom Typus des Unternehmens sowie von der Institutionenkonfiguration, in die das Unternehmen eingebettet ist. Empirisch ist dabei ein zweiteiliges Vorgehen geplant, das die Institutionalisierung der untersuchten Gemeinwohlinteressen sowohl in verschiedenen gegenwärtig vorzufindenden Unternehmenstypen als auch vor dem Hintergrund der Einbettung der Unternehmen in die spezifischen Institutionenformationen von Deutschland AG und Finanzmarktkapitalismus analysiert.


abgelaufene Projekte

Rating und Ratingagenturen

Projektleitung: Prof. Dr. Stefanie Hiß (Jun.-Prof.)
Förderung: Hans-Böckler-Stiftung
Laufzeit: Juni - Januar 2011

Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise sind Ratingagenturen wiederholt in die öffentliche Kritik geraten. Zuerst haben sie durch eine zu optimistische Bewertung der Ausfallwahrscheinlichkeit strukturierter Finanzprodukte den Ausbruch der Krise im Sommer 2007 mit verursacht, später wurde ihnen der Vorwurf gemacht, durch Abwertungen europäischer Staaten wie Griechenland oder Spanien die Verschuldungsproblematik dieser Länder und die damit verbundenen Spekulationen gegen den Euro im Frühjahr 2010 noch verstärkt zu haben. Die oligopolistische Struktur des Ratingmarktes, die Interessenkonflikte innerhalb der Agenturen und ihre enge Verbindung mit Investmentbanken und den Auftraggebern der Ratings waren dabei wiederholt Gegenstand der Kritik. Vor diesem Hintergrund ist es Zielstellung des Projekts, den Sachverhalt Rating und Ratingagenturen aus wirtschaftssoziologisch-politikökonomischer Perspektive zu beleuchten.