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Geschlechterforschung am Institut für Soziologie – Überblick über Schwerpunkte in Lehre und Forschung

Nachfolgend finden sich einige Kurzübersichten aus den Arbeitsbereichen des Instituts für Soziologie, die verdeutlichen, in welchem Umfang Geschlechterforschung soziologisch betrieben werden kann.

Allgemeine und Theoretische Soziologie

Gregor, Joris A.; Dr., wiss. Mitarbeiter_in am AB Allgemeine und Theoretische Soziologie

Lehre:

BA/MA: Geschlecht als Querschnittskategorie findet sich in allen Seminaren. Seminare zur Einführung in queer_feministische Theorien und Debatten, Theorie-Seminare zu speziellen Theorieströmungen und Begriffen (u.a. marxistischer Feminismus, critical feminist materialisms; Differenz, Macht, Körper), Intergeschlechtlichkeit. Lehrforschung: Körper - Geschlecht - Soziologie.

Forschung:

Intergeschlechtlichkeit als soziale Kategorie

Argumentation für eine Anerkennung von Intergeschlechtlichkeit als Kategorie mit sozialtheoretischem Gehalt. Seit der frühen Neuzeit hat (der Umgang mit) Intergeschlechtlichkeit einen bedeutenden Anteil an der jeweiligen Repräsentation des kulturellen Systems der Zweigeschlechtlichkeit in kolonialisierenden und kolonialisierten Gegenden der Welt.

Biographie(forschung) und Geschlechtlichkeit

Methodische und methodologische Reflexion der bislang vornehmlich zweigeschlechtlich operierenden Ansätze der Biographieforschung aus Perspektive der queer theory (queering biographicity).

Körper als konkrete Materialität der Soziologie: critical somatic materialism

Forschungsprogramm, das Arbeiten zur somatischen Dimension von Materialität mit Konzepten der queer theory verknüpft und dabei den beständigen, dynamischen Prozess des Werdens von (körperlicher) Materie auf seine Bedeutung ihres für Sozialtheorie hin auslotet.

 

Sevignani, Sebastian; Dr. phil., wiss. Mitarbeiter am AB Allgemeine und Theoretische Soziologie

Lehre:

BA- und MA-Seminare zu Marxismus-Feminismus, die Rolle von Genderaspekten im Rahmen einer Kritik der Politischen Ökonomie

Forschung:

Digitalisierung und unbezahlte Arbeit

Im Kontext der Digitalisierung gewinnt die Politische Ökonomie unbezahlter Arbeit (z.B. prosuming, immaterial labour) eine erneute Aktualität. Dabei ist es unerlässlich an feministische Debatten anzuknüpfen, die hier die avanciertesten Einsichten bieten.

"Jena Social Theory Colloquium"

Der Arbeitsbereich diskutiert im Forschungskolloquium fortlaufend mit einflussreichen Stimmen der Gender Studies (z.B. Gabriele Winker, Sussane Lettow, Gesa Lindemann, Nancy Fraser, uva.) und rezipieren klassische und neuere Arbeiten aus diesem Bereich, weil sie wichtige Beiträge zu (kritischer) Gesellschaftstheorie leisten.

Methoden der empirischen Sozialforschung und Sozialstrukturanalyse

Leuze, Kathrin; Prof. Dr.

Forschung:

Occupational Sex Segregation and its Consequences for the (Re-)Production of Gender Inequalities in the German Labor Market (gemeinsam mit Prof. Dr. Corinna Kleinert, Leibniz Institut für Bildungsverläufe, Dörthe Gatermann, Arbeitsbereich Methoden der empirischen Sozialforschung und Sozialstrukturanalyse)

Das Projekt untersucht die Entwicklung beruflicher Geschlechtersegregation in Deutschland zwischen 1976 und 2010 und analysiert, wie der Frauenanteil in Berufen kausal mit anderen Berufsmerkmalen zusammenhängt und welchen Einfluss diese beruflichen Merkmale auf die (Re-)Produktion von Arbeitsmarktungleichheiten zwischen Frauen und Männern haben.

Individuelle und institutionelle Einflussfaktoren auf geschlechts(un-)typische Berufsaspirationen im Jugendalter (gemeinsam mit Prof. Dr. Marcel Helbig, Universität Erfurt, Anna-Erika Hägglund, Bath University UK)

Das Projekt untersucht einerseits mögliche Einflussfaktoren für die Entwicklung von geschlechts(un-)typischen Berufsaspirationen auf der Individualebene und fokussiert auf die Bedeutung von Kompetenzen und Noten, das Elternhaus sowie das schulische Umfeld. Zum zweiten wird analysiert, inwiefern kulturelle und institutionelle Länderunterschiede in 30 EU und OECD Staaten die geschlechtsstereotypen Berufsaspirationen beeinflussen.

Die Bedeutung Studienfachsegregation für Bildungs- und Arbeitsmarktungleichheiten zwischen hochqualifizierten Frauen und Männern (gemeinsam mit Prof. Dr. Susanne Strauß, Jasmin Meyer, Universität Konstanz)

Das Forschungsprojekt untersucht, welche Bedeutung die geschlechtstypische Studienfachwahl einerseits für Geschlechterungleichheiten im Studienerfolg, vor allem mit Blick auf Studienabbrüche, und andererseits für die Entwicklung von ungleichen Arbeitsmarktchancen im Lebensverlauf von akademisch gebildeten Frauen und Männern hat.

Lehre:

Seminare im Bachelor und Master zum Verhältnis von Bildung, Beruf und Geschlecht, quantitative Forschungsmethoden zur Untersuchung von Geschlechterungleichheiten

Globale Ungleichheiten und sozial-ökologischer Wandel

Backhouse, Maria, Jun-Prof. Dr., Professorin für Globale Ungleichheiten und sozial-ökologischer Wandel und Leiterin der Nachwuchsgruppe "Bioökonomie und soziale Ungleichheiten. Verflechtungen und Wechselbeziehungen im Bioenergie-Sektor aus transnationaler Perspektive (www.bioinequalities.uni-jena.de).

Lehre:

In den Seminaren zu Globalen Ungleichheiten, zur Umweltsoziologie und Politischen Ökologie sowie Entwicklungstheorien werden systematisch feministische Ansätze aus den Bereichen der feministischen Politischen Ökologie, Intersektionalitätsstudien, Subsistenzansätzen und feministischen Entwicklungstheorien einbezogen.

Forschung:

Ungleiche Wissensproduktion in der entstehenden globalen Bioökonomie im Bereich der Bioenergie:

Untersucht wird die ungleiche Wissensproduktion im Bereich der Bioenergie im globalen Maßstab anhand von Schwellenländern wie Brasilien und Malaysia. Dabei werden neben Ansätzen der Globalen Ungleichheitsforschung und politischen Ökologie v.a. feministische Perspektiven auf die Produktion von Wissen und Technologien einbezogen.


Lorenzen, Kristina, Researcher der BMBF-Nachwuchsgruppe "Bioökonomie und soziale Ungleichheiten. Verflechtungen und Wechselbeziehungen im Bioenergie-Sektor aus transnationaler Perspektive" (www.bioinequalities.uni-jena.de).

Lehre:

BA-Seminar zur Politischen Ökologie der Landarbeit aus marxistisch-feministischen Perspektiven (zusammen mit Janina Puder; inhaltliche Beschreibung siehe dort)

Forschung:

Arbeits- und Landverhältnisse im brasilianischen Zucker-Energie-Sektor

Untersucht wird der Zucker-Energie-Sektor in Brasilien und seine Auswirkungen auf ländliche Arbeits- und Landverhältnisse. Hierbei wird Arbeit aus einer feministischen Perspektive betrachtet, die unter Arbeit sowohl Lohn- als auch Subsistenz- bzw. Reproduktionsarbeit versteht. Die Forschung verortet sich theoretisch in der Feministischen Politischen Ökologie, die bei (Umwelt-)Veränderungen nach Gewinnern und Verlieren fragt und dabei Ungleichheitsdimensionen wie Geschlecht, Klasse und Ethnie berücksichtigt.


Puder, Janina, MA Soziologie, wiss. Mitarbeiterin in der BMBF-Nachwuchsgruppe "Bioökonomie und soziale Ungleichheiten. Verflechtungen und Wechselbeziehungen im Bioenergie-Sektor aus transnationaler Perspektive" (www.bioinequalities.uni-jena.de).

Lehre:

BA-Seminar zur Politischen Ökologie der Landarbeit aus marxistisch-feministischen Perspektiven (zusammen mit Kristina Lorenzen)

Das Seminar verfolgt das Ziel, eine kritische, polit-ökonomische Perspektive auf Landarbeit zu entwickeln. Zur soziologischen Betrachtung von Landarbeit werden im Seminar zwei Ansätze in den Mittelpunkt gerückt: Über die Politische Ökologie wird es möglich unterschiedliche Landnutzungsformen vor dem Hintergrund ihres historischen Wandels aus einer räumlichen, ökologischen und soziologischen Perspektive zu erschließen. In Abgrenzung zu einem analytisch verengten Begriff von Arbeit, der sich vorrangig auf formell eingebettete Lohnarbeit konzentriert, stellen marxistisch/-feministische Theoretiker_innen die Bedeutungen kostenloser bzw. vergleichsweise kostengünstiger Ausbeutung von Reproduktions- und Lohnarbeit (die überproportional häufig von Frauen geleistet wird) in kapitalistischen Gesellschaften heraus. Gerade mit Blick auf das Verhältnis von Lohn- zu Subsistenzarbeit in ländlichen Regionen, können marxistisch/-feministische Ansätze wichtige Antworten auf die Frage nach der Bedeutung unterschiedlicher Arbeitsformen für kapitalistische Gesellschaften liefern.

Forschung:

Transnationale ländliche Arbeitsverhältnisse im Kontext der entstehenden Bioökonomie in Indonesien/Malaysia am Beispiel der Wanderarbeiter_innen

Untersucht werden die Arbeitsverhältnisse von Wanderarbeiter_innen auf Palmöl-Plantagen in Malaysia. Dabei wird gefragt inwiefern spezifische Gruppen strukturell besonders von prekären Lebensverhältnissen sowie schlechten Arbeitsbedingungen betroffen sind und wie sich diese ggf. intergenerational verfestigen. Neben theoretischen Zugriffen auf die Intersektionalitätsforschung wird zur Untersuchung des Forschungsgegenstands zudem eine feministisch inspirierte arbeitssoziologische Analyseperspektive eingenommen.


Tittor, Anne, Dr. Post-Doc Researcher und Koordinatorin der BMBF-Nachwuchsgruppe "Bioökonomie und soziale Ungleichheiten. Verflechtungen und Wechselbeziehungen im Bioenergie-Sektor aus transnationaler Perspektive" (www.bioinequalities.uni-jena.de).

Forschung:

Demokratie und Partizipation in der entstehenden Bioökonomie mit Fokus Europa/Südamerika

Untersucht wird die argentinische Bioenergiepolitik und ihre sozial-ökologischen Folgen aus einer Umweltgerechtigkeitsperspektive. Dabei werden Ungleichheiten und Partizipationsmöglichkeiten (auch) hinsichtlich der Geschlechterdimension analysiert und Ansätze der feministischen politischen Ökologie und der geschlechtersensiblen Transnationalisierungsforschung einbezogen.

Politische Soziologie

Haubner, Tine; Dr., Graefe, Stefanie; PD Dr.

Lehre:

Lehrforschung zum Thema "Die Krise sozialer Reproduktion" über zwei Semester, die sich schwerpunktmäßig mit feminisierten, unbezahlten Sorgearbeiten befasst und daher wesentlich Gender-Themen berührt. Daneben umfasst ein im derzeitigen Wintersemster stattfindendes Seminar zur Einführung in die Professionssoziologie mehrere thematische Sitzungen zum Verhältnis von Professionsentwicklung und Geschlechterverhältnissen.

Außerdem wurden am Arbeitsbereich in den vergangenen Semestern verschiedene Seminare zu "Klasse und Geschlecht", Ausbeutung oder zu Care-Work angeboten, die zentrale geschlechtersoziologische Fragestellungen bearbeiten.

Qualitative Methoden und Mikrosoziologie

Heilmann, Andreas; Dr. phil., wiss. Mitarbeiter am AB Qualitative Methoden und Mikrosoziologie

Lehre:

BA-Seminare zur Einführung in die Geschlechter- und Männlichkeitssoziologie, qualitative Interviewerhebung, Geschlechterverhältnisse und Arbeit in der Transformation moderner Gesellschaften, Lehrforschung zu Caring Masculinites/Fürsorglichen Männlichkeiten

Forschung:

Caring Masculinities. Zur Relation von Fürsorge und Männlichkeiten (gemeinsam mit S. Scholz, J. Schwab und S. Ruby)

Fürsorglichkeit/Care ist in modernen kapitalistischen Gesellschaften dem weiblichen Geschlechtscharakter zugeschrieben. Untersucht wird, wie Männern immer stärker in den Fürsorgebereich involviert werden als aktive Väter, als Care-Giver in der häuslichen Pflege von Familienangehörigen und in der Alten-/Krankenpflege oder als Erzieher in Kitas. Wie verändern die Erfahrungen als Care-Giver die individuellen Männlichkeitskonstruktionen?

Männlichkeiten in der Transformation kapitalistischer Wachstumsgesellschaften (gemeinsam mit S. Scholz)

Untersucht werden der historische Zusammenhang zwischen Wachstum und männlichen Subjektivierungsformen sowie die aktuellen Transformationen dieser Subjektivierungsformen im Kontext der ökonomisch-ökologischen Doppelkrise. Erkundet werden Männlichkeiten in der Postwachstumsgesellschaft.


Ruby, Sophie Marie; M.A. Soziologie, wiss. Mitarbeiterin am AB Qualitative Methoden und Mikrosoziologie

Lehre:

BA-Seminare zur Einführung in Grundkonzepte der Geschlechterforschung, Lehrforschungen zur Transformation von Männlichkeiten

Forschung:

Das 'Andere' zum Hegemonialen der Geschlechterordnung

Ausgangspunkt des Promotionsprojektes ist die Frage nach dem gegenwärtig Hegemonialen in der Geschlechterforschung. Vor diesem Hintergrund wird machtanalytisch untersucht, wie Alternativen (das 'Andere') jenseits der Zweigeschlechtlichkeit theoretisch denkbar und wie Konzepte wie Emanzipation, Solidarität, Reflexion empirisch realisierbar wären.


Saalfeld, Robin K.; M. A. (Doktorand, Mitarbeiter am Seminar für Kunstgeschichte und Filmwissenschaft)

Lehre:

Einführung in die soziologische Filmanalyse: Transgeschlechtlichkeit im Film (interdisziplinäres Methodenseminar für Masterstudierende)

Forschung:

Normative Wissensordnungen: Zur Konstruktion von Transgeschlechtlichkeit in Bild und Film

Ausgehend von der Beobachtung, dass Transgeschlechtlichkeit in den letzten Jahren verstärkt medial verhandelt wird, untersucht das Forschungsprojekt aus einer diskursanalytischen Perspektive die vielfältigen visuellen Verhandlungsweisen des Phänomens. Der Fokus liegt auf den drei Diskursebenen: Sexualwissenschaft, Subkultur und filmische Populärkultur. Das Projekt ist an der Schnittstelle der Transgender Studies, der Visuellen Soziologie und der genderorientierten Filmwissenschaft verortet.


Scholz, Sylka; Prof. Dr.; Professorin für Qualitative Methoden und Mikrosoziologie

Lehre:

Einführungsvorlesung in die Geschlechtersoziologie, Seminare im Bachelor und Master zum Wandel von Geschlechterverhältnissen (Berufe, Geschlechterbildern, Familienkonstellationen etc.), Lehrforschungen zur Transformation von Männlichkeiten, Qualitative Forschungsmethoden zur Erforschung des Wandels.

Forschung:                       

Caring Masculinities. Zur Relation von Fürsorge und Männlichkeiten (gemeinsam mit A. Heilmann, J. Schwab und S. Ruby)

Fürsorglichkeit/Care ist in modernen kapitalistischen Gesellschaften dem weiblichen Geschlechtscharakter zugeschrieben. Untersucht wird, wie Männern immer stärker in den Fürsorgebereich involviert werden als aktive Väter, als Care-Giver in der häuslichen Pflege von Familienangehörigen und in der Alten-/Krankenpflege oder als Erzieher in Kitas. Wie verändern die Erfahrungen als Care-Giver die individuellen Männlichkeitskonstruktionen?

Männlichkeiten in der Transformation kapitalistischer Wachstumsgesellschaften (gemeinsam mit A. Heilmann)

Untersucht werden der historische Zusammenhang zwischen Wachstum und männlichen Subjektivierungsformen sowie die aktuellen Transformationen dieser Subjektivierungsformen im Kontext der ökonomisch-ökologischen Doppelkrise. Erkundet werden Männlichkeiten in der Postwachstumsgesellschaft.

Geschlecht, Liebe und Lebensformen im "German Heimatfilm"

Der Heimatfilm hat eine mittlerweile einhundertjährige Geschichte, die eng mit der Konstruktion von Männlichkeiten und Weiblichkeiten, den Vorstellungen von Liebe und Lebensformen verbunden ist. Erforscht wird, inwieweit sich die kulturellen Leitbilder im Zeitverlauf verändert haben.


Schwab, Janos; M. A.;

Lehre:

BA-Seminare zur Einführung in die Geschlechtersoziologie und feministische Theorie

Forschung:

Männlichkeit und Gewalt(betroffenheit)

Auch in der Geschlechterforschung wird Gewalt vor allem mit Männlichkeit und Männern als Tätern assoziiert. Die Forschungsarbeit stellt die Frage danach, wie die alltägliche, und potentiell zum Leben jedes Jungen/Mannes gehörende Gewaltbetroffenheit, vor allem als Gewalt unter Jungen/Männern, sich auf die männliche Subjektkonstitution auswirkt und wie das im Zusammenhang mit der Tendenz zur Abwehr von Verletzungsoffenheit steht.