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Forschung

Aktuelle Forschungsprojekte


 


Populismus und Demokratie in der Stadt (PODESTA)                       

Verbundvorhaben mit dem Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften der Uni Tübingen

Zur Homepage des Forschungsprojekts: http://podesta-projekt.de





 
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Gefördert vom BMBF, 2017-2020             

Teilvorhaben der Uni Jena: Populismus und nicht-normierte Demokratie

Projektmitarbeiter: Dr. Peter Bescherer (Koordination), Dr. Robert Feustel

Im Gefolge der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrisen verschärft sich der Trend zu sozialer Polarisierung. Wachsende Teile der Bevölkerung fühlen sich abgehängt oder ausgeschlossen und verlieren das Vertrauen in die Verfahren repräsentativer Demokratie. Hier setzen populistische Politikangebote an. Ihre Grundmuster - Kritik sozialer Eliten, Personalisierung und Moralisierung von Politik - machen sich auch an aktuellen Problemen der Stadtentwicklung fest, von Gentrifizierung und Segregation bis zu mangelnden Mitwirkungschancen. Das Forschungsprojekt soll interdisziplinär untersuchen, wie sich verschiedene (institutionelle und nicht-institutionelle) Akteure im Handlungsfeld Stadt mit der populistischen Herausforderung auseinandersetzen. Dafür wird eine Perspektive gewählt, die sowohl (soziologisch) die Lebensumstände der Beteiligten untersucht als auch (mit praktischer Philosophie) ihre ethisch-politischen Selbstverständnisse ernst nimmt. Die Forschungsleitfragen lauten: 1) Wie kann eine Verbesserung krisenhafter Lebensbedingungen dazu beitragen, die gesellschaftliche Spaltung zwischen 'Volk' und 'Eliten' zu verhindern? 2) Wie können zivilgesellschaftliche städtische Initiativen Kritik an den politischen Institutionen in demokratisierender Weise aufnehmen?

Die soziologisch-empirische Grundlage zur Beantwortung der Forschungsfragen bildet: 1) eine Dokumenten- und Medienanalyse, die den Rechtspopulismus als Ausdruck und Verstärker von Problemen der Stadtentwicklung untersucht; 2) die Untersuchung von Mikrokonflikten der Stadtentwicklung in Leipzig mit verschiedenen Methoden der qualitativen Sozialforschung, darunter Interviews mit Akteuren aus Kommunalpolitik und -verwaltung, zivilgesellschaftlichen Initiativen und den von ihnen adressierten Bürgerinnen und Bürgern. Im FSU-Teilvorhaben werden die empirischen Befunde mit Fokus auf demokratietheoretische Fragen ausgewertet und zu anwendbaren Modellen für die Praxis aufbereitet.

Die innovative Bedeutung des Forschungsvorhabens liegt in der Verknüpfung von Stadtforschung mit Demokratietheorie einerseits und der methodischen Orientierung am - viel diskutierten, aber praktisch- methodologisch unterentwickelten - Konzept der Öffentlichen Soziologie andererseits. Die wissenschaftliche Verwertung der Projektergebnisse in Form von Publikationen, Konferenzbeiträgen oder Qualifizierungsarbeiten dokumentiert zivilgesellschaftliche Antworten auf den erstarkten Rechtspopulismus, die sich im konkreten Kontext städtischer Konflikte (um Wohnen/Miete, Großbauvorhaben, Partizipation, Integration u.a.) mit Fragen der Moralisierung und Entmoralisierung des politischen Diskurses und der Herausforderung des politischen Liberalismus auseinandersetzen. Die wissenschaftliche Theorienbildung wird damit angeregt und es werden Anschlussstellen für die weitere Forschung (etwa zum Populismus in demographisch-krisenhaften ländlichen Räumen) geschaffen. Die praktische Verwertung der Projektergebnisse erfolgt in Form der (Weiter-)Entwicklung von Strategien und Konzepten demokratisch- zivilgesellschaftlicher Akteure im Umgang mit dem Populismus. Die enge Kooperation mit dem lokalen Praxispartner ist selbst ein Bestandteil dieser praktischen Anwendung, insofern der lineare Forschungsprozess und die objektivierende Herangehensweise in kontrollierter Weise durchbrochen werden. In diesem Sinne werden die Forschungsbefunde in projektbegleitenden Workshops gemeinsam mit den Praxispartnern diskutiert und Projektergebnisse werden in Medien der zivilgesellschaftlichen Selbstorganisierung (Blogs, Mieterzeitschriften, Newsletter o.ä.) vorgestellt. Eine öffentliche Abschlussveranstaltung und ihre Dokumentation sollen ein wissenschaftlich-bewegungspolitischer Mischformat haben. Die gewonnenen Befunde und Erfahrungen haben exemplarischen Charakter, so dass sie auch über die lokalen Kontexte hinausweisen.


Perspektiven der Mitbestimmung in Ganzheitlichen Produktionssystemen

 Logo NFG HBS

Die Bemühungen um eine humanisierte und verstärkt selbstverantwortliche Arbeit, die in den 1980er und 1990er Jahren verbreitet waren, sind heute zu großen Teilen in Ganzheitliche Produktionssysteme (GPS) eingemündet. Diese Systeme nutzen die neuen Möglichkeiten informationstechnischer Steuerung und gelten - ausstrahlend von der Automobilindustrie - zunehmend als avancierteste Form, betriebliche Prozesse zu erfassen und zu optimieren. Die Hoffnungen, gestalterische Kompetenzen und Selbstverantwortung der Beschäftigten auszuweiten, sind dabei jedoch nur begrenzt zum Zug gekommen. GPS scheinen vielerorts v.a. Leistungsdruck zu erhöhen, nicht jedoch Mitwirkungschancen, und statt das implizite Wissen der Beschäftigten aufzuwerten, sind sie eher auf seine Extraktion und Zentralisierung angelegt. Die Forschungsgruppe untersucht auf wissenssoziologischer Grundlage und in praktischer Perspektive, inwieweit es möglich ist, den Ansatz produktiver Mitbestimmung in GPS neu zur Geltung zu bringen.

Im Einzelnen sind ihre Ziele:

a) die aktuelle Bedeutung von GPS für die Gestaltungsmöglichkeiten der Beschäftigten zu identifizieren,
b) den veränderten Status von Beschäftigtenwissen und -kompetenzen im Rahmen von GPS zu erfassen, und
c) Perspektiven sowie anwendbare Instrumente weitergehender Demokratisierung zu entwickeln.

Die Grundidee ist dabei, dass erweiterte betriebliche Selbstreflexion immer zwei Seiten hat. Techniken, mit denen Arbeit und Kommunikation tiefenscharf kontrolliert werden, könnten auch Beschäftigte in die Lage versetzen, fortlaufend ihr Aufgabenfeld zu gestalten, über dessen Rahmen mit zu entscheiden und Arbeitsanforderungen mit ihrer Lebensführung zu koordinieren. Das Vorhaben ist methodisch explorativ angelegt und soll neue Impulse ins untersuchte Feld tragen. Dazu werden empirische Forschung (schwerpunktmäßig in a), theoriegeleitete Analyse (besonders in b) und die Sondierung neuer praktischer Chancen (besonders in c) verbunden.

Theoretisch soll die Nachwuchsforschergruppe nicht nur arbeitssoziologische Diskussionen, sondern auch Impulse der Wissenssoziologie und der Demokratietheorie aufnehmen. Als Grundlage bietet sich einerseits die Debatte um die "Wissensgesellschaft" an, in der bereits früh Perspektiven kommunikativer Selbstverwaltung sowie intelligenter Organisation Thema waren. Das Forschungsfeld zeigt die Spannung zwischen diesen Motiven: Das zunehmend relevante Prozesswissen der Produzierenden kann partizipatorisch genutzt werden, ihnen aber auch als Wissensmanagement entgegen treten - womit häufig die Chance vertan wird, dass die Beschäftigten ihr inkorporiertes und kommunikatives Wissen freiwillig einbringen. Daher wird es andererseits sinnvoll, erneut die prominent von Boltanski/Chiapello und in den Governmentality Studies vertretene Annahme zu prüfen, dass der flexible Kapitalismus im Kern Selbstverantwortung für Profitzwecke mobilisiert.

Empirisch bieten GPS einen guten Ausgangspunkt, um die in der Arbeitssoziologie verbreitete Relativierung dieser These zu unterfüttern: Retaylorisierung und Kennzahlensteuerung schränken die programmatische (Teil-)Autonomie der Arbeitenden inzwischen stark ein. Dies gilt es in einzelnen Betrieben exemplarisch zu untersuchen. Zudem ist hier zu erheben, in welchen Maß und zu welchen Anteilen GPS die neuen Managementkonzeptionen der 1980er und 90er Jahre (wie Lean Production, Kaizen/kontinuierliche Verbesserungsprozesse, flexible Standardisierung und teilautonome Gruppenarbeit) faktisch aufnehmen. Praktisch-explorativ wird so schließlich ein neuer Blick auf die kritische These möglich, dass Autonomiegewinne der Beschäftigten bloß neue Formen der "Regierung" bedeuten. Zu erwarten ist vielmehr, dass zentrale Kontrolle und dezentrale Entscheidungen, Partizipation und Top-Down-Verfahren, die Einbeziehung oder Nichtberücksichtigung von Beschäftigtenwünschen vielerorts kollidieren. Die Techniken betrieblicher Selbstbeobachtung, Auditierung und Standardisierung bieten Ansatzpunkte, um solche Konflikte zu erkennen und ggf. sogar neue partizipatorische Standards zu etablieren. Wie viel Wirtschafts- und Wissens-Demokratisierung damit möglich wird, ist die offen gestellte Frage der Forschungsgruppe.

Detaillierte Informationen zur Arbeitsgruppe, aktuellen Veranstaltungen etc. finden Sie auf der Website der Nachwuchsforschungsgruppe:

gpsmitbestimmung.wordpress.com.


 



Abgeschlossene Projekte

Forschungsprojekt: Das zerstreute Gemeinwesen

Politische Semantik im Zeitalter des Sozialen