In der Reihe "Working Papers: Economic Sociology Jena" (WPESJ) werden Arbeiten aus dem Kontext des Lehrstuhls für Arbeits, Wirtschafts- und Industriesoziologie veröffentlicht sowie Beiträge, die in Kooperation mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entstanden sind. Die Reihe richtet sich an alle, die Kenntnis über den aktuellen Diskussions- und Forschungsstand hinsichtlich einer zu entwickelnden "Soziologie des Ökonomischen" gewinnen wollen und Interesse an einer internationalen wissenschaftlichen Fachdiskussion haben.
Die Reihe WPESJ wird elektronisch publiziert und steht seit ihrem Erscheinen 2007 zum PDF-Download kostenlos zur Verfügung. Es gilt der Autorenvorbehalt.
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Katharina Osthoff, Martin Langbein, Thomas Hartmann
Verbindung von Stabilität und Flexibilität. Arbeitgeberzusammenschlüsse als regionales Instrument zur Fachkräftesicherung für KMU
Für kleine und mittlere Unternehmen in den neuen Bundesländern müssen aufgrund der demographischen Entwicklung und dem damit verbundenen, bereits heute partiell spürbaren Fachkräftemangel sowie durch ein jahrelang vernachlässigtes strategisches Personalmanagement neue Wege der Personalbindung und -rekrutierung gefunden werden. Arbeitgeberzusammenschlüsse (AGZ) könnten sich dabei zukünftig als Intermediäre zwischen Personal, Betrieb und Region in besonderer Weise empfehlen. Im Rahmen des Beitrages soll das AGZ-Modell erläutert und dessen Prinzipien vorgestellt werden. Dazu zählen unter anderen eine strikte Bedarfsorientierung und die geteilte Verantwortung der Unternehmen für die gemeinsam Beschäftigten. Es gelten weiterhin die Maxime der Gegenseitigkeit in Form von geteilten Risiken und gemeinsamen Vorteilen sowie eine klar definierte Mitgliedschaft der Unternehmen - es werden keine Dienstleistungen an Nichtmitgliedsunternehmen "nach außen" geliefert. "Equal pay, equal treatment" sowie die stete Kompetenzentwicklung der Beschäftigten im AGZ stellen weitere Grundsätze dieser Art von Zusammenschlüssen von Betrieben zum kooperativen Personalmanagement dar. Die Hauptaufgabe von Arbeitgeberzusammenschlüssen besteht in dem Aufspüren von Teilbedarfen an Arbeit und deren geschickte Kombination zu Vollzeitäquivalenten. Das Beschäftigungsrisiko wird dabei nicht ausgelagert, sondern zwischen den AGZ-Mitgliedsbetrieben geteilt. Sowohl für Unternehmen als auch für Beschäftigte eines AGZ soll auf regionaler Ebene Flexibilität mit Sicherheit kombiniert und auf diese Weise die Abwanderung von Fachkräften gemildert, den Unternehmen Hilfestellung bei der Rekrutierung von Arbeitskräften angeboten sowie die Besetzung schwankender Arbeitsbedarfe gesichert werden. Des Weiteren wird im vorliegenden Paper die Entwicklungsgeschichte des aus Frankreich stammenden Modells nachgezeichnet sowie seine Übertragbarkeit auf Deutschland unter Einbezug empirischer Ergebnisse aus der Oberlausitz diskutiert.